Gelage

Zum goldenen Ohrläppchen

Dein sich vorzugsweise im Halbschatten einer aus dem Schnitt geratenen Strähne tummelndes und daher gülden schimmerndes Ohrläppchen ist mir Fluchtpunkt, dein lustvoller Gebrauch des Subjonctiv Obdach in noch der hitzigsten Debatte, dein radebrechendes Italienisch Refugium in einem Alltag, der das A nur mehr als Makulatur vor sich herträgt.

Ah! sagst so auch du und meinst längst mehr als das, ragst mit deinem Laut in unsere Stille wie ein Aufruf zum Genuss, begleitet von einem Seufzen, dass die Überraschung einläutete, als sie des Gestaltungsfreiraumes gewahr wurde, der zwischen Mitternacht und Kaffee ans Bett sich auftut, wenn die Reihenfolge geklärt und das Bett ungemacht bleiben darf.

Musik, fragt der Kellner und holt prompt die Jukebox aus ihrer Ecke, und zwei Münzen später weiß das Tanzbein wieder um seine Hüfte, mein Knie wieder den Takt, dein Ohrläppchen schmiegt sich versuchsweise an meine Wange und Flucht ist erstmal keine Option.

Gelage

Meinen ersten Stern

Meinen ersten Stern
habe ich heute gepflückt
dir vom Himmel geholt, und
zwischen die nachtwarmen Haare geflochten
Bevor du aufwachst war der Deal
pour le p’tit dej sozusagen
zu Butterbrot mit Rübensirup
extra gold und erst nachmittags
Kaffee

Meine Hand zauderte
als ich der Nacht
ihr gezacktes Leuchten entriss
und an einen Baum hängte
Es würde nachwachsen
so stand es in den Büchern
so flüsterte ich es beschwörend
mir über die Lippen

Deinen Stammbaum
kannte ich auswendig, dein Herz
in meiner Faust
geriet nicht eine Sekunde aus dem Takt
Deine Zukunft forderte
Mitspracherecht
ich lotste sie über das Formular
für Beteiligungsanliegen
Zeit für die Gegenwart rausschindend
als bekäm ich es
bezahlt

1000 Leuchtjahre tief
stand ich bei der Zeit
eh schon in der Kreide
aber die ist ja bekanntlich
wasserlöslich
und der nächste Regen
meiner