Gelage

Herbstens und der ganze wilde Rest

Herbstens wird meine Laune milde, meine Füße kalt. Mein Auge sehnt sich nach Gelb, dem satten, sommertrunkenen, das sich – zu allem entschlossen – dem erdigen Moos entgegenreckt. Lächelnd, ohne auch nur einen Hauch Lippenstift an den goldenen Hüften. Meine Finger richte ich inwärts, den Blick weit über’s Gegenüber hinaus, dem ich in diesen Zeiten aufmerksamer lausche.

Zeit, die Strumpfhosen unter den Rock zu ziehen und Stiefel drüber, am besten ein bis zwei Schals um den nackten Hals, bevor man das Haus verlässt. Bilder sammeln für die dunklen Tage, die sich ankündigen, die bereits anklopfen, die bereits den Himmel verführt haben zum Schlafzimmerblick: Stets nebelverhangen, scheint es, und kühl, immer ein Spur zu viel des Grauen. Eine Nacht voraus.

Ich aber bin noch nicht bereit für den nächsten Schritt, will Feuer legen, ganze Brände, ein loderndes Gelb. Atemlos sich zwischen Waden wickelnd, Baum für Baum ganze Wälder erhellend, Lendenwirbel entzerrend, Hüftgold schmelzen lassend. Nacken kraulend. Keuchen machend, jetzt, wo man den Atem wieder sieht. Wo Gräber ihren laubvollen Hofstaat zeigen und wie nebenbei die Tanzlust wecken.

Gelage

Auf Wiedersehen, Kinder

Stimme, Konsistenz und Brustkorb. Viel mehr nicht. Immer mit dem linken Rücken zur Wand.

Und was ich wohl vergessen hatte: Adieu,
ihr Reiseziele, bleibt ferne Küsten, Träume.
du schöne Unbekannte. Adieu, Ekstase. (Und wer war noch gleich Wollust)
du stets umkämpfte Lebenslust.
du herzensguter Ehrgeiz.
du nie dagewesene Gesundheit, die man so gerne als das Wichtigste hervorhebt.
ihr ungeborenen Kinder.

Adieu, Papa Käsebrot und Mama Schokoladenfondue, Brunch, Brennesselsuppe und Brudda.
Oder so.