Gelage

Ja, ich will

Und ich will, dass deine Fingernagelrillen meine Fersenhornhaut streicheln, jetzt und sofort und danach noch einmal von vorne. Und ich will nicht, dass du lachst wenn ich von Raben rezitiere, von Wanderfalkennachwuchs, von Liebstöcklaromen im frühmorgendlich verabreichten Jagdwurstaufstrich. Ich will deinen Atem meine Harnröhre schauern machen, deine Ohrläppchen meine Leisten befruchten, und deinen Blick meine Wirbelsäule Merengue üben lassen.

Ich will synchron mit dir atmen und gleichzeitig die Fetzen fliegen machend die Zukunft der Waldameisen diskutieren, den großen Zeh stets kurz vorm Krampf. Ich will Rundfenster in meinen Wänden, an deren stahlkühle Rahmen ich meine Stirn pressen kann beim Meer in den Giebeln der Nachbarhäuser suchen. Ich will Langfinger mit Antennen ausgestattet in meiner Ellbeuge, immer auf Empfang für Postwurf-Sendungen aus dem Innersten meiner an Runkelrüben gemahnenden Innereien.

Ich will meine Mahnbriefzähne in deinen Rücken einprägen, die frischgeplombten, da wo das Rückenhaar spärlicher wird und die Muttermaldichte entsprechend größer, genau 3,75 Mal. Ich will Lusthäppchen serviert bekommen, zum z’Nüni, zum z’Vieri und abends eine letzte Fuhre, mit wildem Erdbeerlachs und Kichererbsen, damit ich mich nicht immer auf Kitzligkeit rausreden muss. Ich will einen Stachelbeerbaum unters Fenster gepflanzt bekommen, in dessen Erde ich meine Hände wühlen kann, jegliche Sauberkeit von mir waschend zur Nacht.

Gelage

Gabelstapler, outgesourced

Müssen Titel immer mit dem ihnen untergestellten Text eine Sinneinheit bilden, und wenn ja, über wie viele Ecken und Banden im Höchstfall? Wie hoch sind Identitäten stapelbar und wäre James Bond eine Frau, wer verkörperte den nächsten Bond-Boy? Unter Ikebanafältchen ummantelt mein Lächeln jegliches Unvermögen: Schweigen in Seidenpapierhähnchen. Hummer gegen Kummer und immer wieder brüllende Crème. Zwischendurch lädst Du Dir dann doch Bedeutungen auf die Floskeln, die unabdingbaren, unaufdringliche, zuweilen zärtliche Insider, die prickelnd die Balance halten zwischen plump und kryptisch. So macht Smalltalk die Pausen zum Hauptgang, kalorienarm aber mehr als sättigend.

Unter dem Tisch türmt sich derweil der Nachtisch nachlässig beschürzt in hellen Strümpfen. Das Fundament im Schönheitsschlaf: Knie an Knie warten auf ihren großen Auftritt, der bereits mehrmals um eine halbe Stunde nach hinten verschoben wurde. Die Gabeln haben gar nicht so viele Zacken, wie mir aus der Krone brechen könnten, da müssen dann schon auch noch ein paar Zehen dran glauben. 36-Kaliber machen sich sowieso weitaus besser als 42-Mutanten, obwohl, aber das gehört nicht hierher. Beim dritten Hauptgang streikt Dein Magen endlich zum ersten Mal, das mitfühlende Gelächter begleitet Dich, man nutzt den Einhalt für neue Stapelorgien. Noch besser das Eigene, noch schöner, noch effizienter und vor allem noch erfolgreicher. Du erkennt uns nicht wieder, Du reichst nicht einmal mehr heran.

Inzwischen klirren Gläser mit gefroreren Lachen um die Wette, jeder Biss eine Mundwinkelzerrung. Rechts und links nur Köpfe, die die Existenz jeglicher Unterleibe vergessen machen. Der Blick auf den nächsten so gut wie leeren Teller birgt das Orakel des kommenden Jahres, sagt der Ober, und ich nicke ergeben, reiche ihn meinem Nachbarn zur Eröffnung eines neuen Stapels dreckiger. Ihre Wäscher wenigstens soll was in der Hand haben, lächelt er müde, die Lider Zustimmung gleichermaßen erheischend wie erwartend flatternd, und sammelt die Gabeln ein.