Geliebte

eine nacht zu viel

eine nacht zu viel, plötzlich überflüssig geworden, nicht im kalender verzeichnet. zur freien verfügung damit. zu verschenken, zu verschwenden, an dich, an die stadt. eine nacht, bei der nicht auffällt, wenn nicht geschlafen wurde. eine, die einem in die hände fällt, unversehens, die man teilen möchte, feiern, nicht unbedingt allein. eine, die man auskosten möchte, der man sich hingeben, die man sich verdienen möchte. so, als wäre das möglich. gedankenspielerei.

zwei, drei flaschen vom guten roten, das backgammonspiel, dich und eine meile strand. der mond hätte dienst, die wellen nachtschicht und wir mut im übermaß. von diesem unwiderstehlich trotzigen, der die naturgesetze en passant schachmatt setzt und uns mit einer leichtigkeit versieht, die den morgen wider willen vor der zeit erröten lassen.

gut siehst du aus. das hatte ich schon bei tageslicht genossen; die nacht entblößt deine wetterseite dazu, die raue mit den kerben, die du sonst eher versteckst. an die ich mich jetzt rantasten darf und die sich unter meinen fingerbeeren räkeln, anschmiegsam bis zum knöchel.

der morgen ist uns gnädig, lässt der dämmerung leine und uns spiel. einmal noch augen zu – augen auf, und du bist immer noch da. einmal noch flüsternd heere heimlichkeiten austauschen, lippe an ohr, und wimpern zählen, solange keiner mitrechnet.

und plötzlich statt wimpern die minuten bis die zeit wiedereinsetzt, der raum seine funktion zurückfordert und du deine rolle.

Geliebte

Sehnsüchtig? Per Default!

die sonne, die du du auf deinem lächeln über die schwelle trägst, macht mich ad hoc heimkommen.
die verzweiflung die du der welt zuweilen entgegenschleuderst, lässt mich kalte füße kriegen.
die worte, die du zwischen die zeilen klemmst, oft nach mitternacht, machen mich sprachlos.
der hunger, mit dem du morgens aufwachst, macht mir appetit auf ein leben nach dem frühstück.
die wucht, mit der du mich zur rede stellst, nimmt mir den atem und die antworten gleich dazu.
die lust, mit der du das leben und seine menschen in deine arme nimmst, lassen mich erschauern.
der frust, den dir dein körper täglich einbrockt, macht mich einsam. und mitunter verrückt vor sorge.
die gedanken, die du mir bereits vor dem aufwachen im stakkato servierst, sorgen für staunen.
die hand, die du mir hinstreckst, nehme ich gern.