Gemäuer

to be handled with decent care

Brevier der Zärtlichkeit | © Anne Seubert

Komm in das Land wo der Feuervogel wohnt, sang Klaus Hoffmann einst, und ich lade dich ein in das Land, wo Zartheit das Zepter, Fingerspitzen das Gefühl und Wimpern den Ton anschlagen, der dir nackenumschmeichelnd Gänsehaut und mir dieses inwendige Schnurren auf die Lippen beschert.

Zart, du weises Wesen, Tugend und Fluch zugleich. Du Muskel, der selten bemüht, noch seltener trainiert. Oft belächelt, verlacht, verhöhnt, wirkst du im Leisen, da wo das Laute schwach, das Zupackende kraftlos, das allseits Prägnante stimmlos, da raunst du noch im Vorbeigehen Berührungen zwischen Pulloversaum und Haaransatz, das mir schwindelt.

Zart | Wortbedeutungen

Zärtlich wärt am längsten? Andeutungsweise zumindest, weiß, wer den Herbst liebt und dem Sommer misstraut, du am längsten. Halt ein, acht, den Finger Nanometer nur über meiner Lippenoberkante, da wo der Schweiß perlt, wenn. Wenn Lippe auf Lippe trifft, wobei Kuss schon zu viel des Guten  zuweilen, Kuss, der das Sanfte aufs Verführerischste ins Indiskrete zu wandeln versteht. Womit wir beim  verabschieden in dieses Wochenende wären, das zart sich am Horizont andeutet, während der Herbst ein Gold ausbreitet, in dem man Baden gehen möchte.

Zart | Wortbedeutungen

Gemäuer

Second Hand Siesta

20180811203619-01

Im Weg stehst du mir senkrecht auf der Zunge, lächelst müde und sagst Fristverzug mit einer Betonung, die das G zu Sprache bringt, das sonst dem U höchstens den Schatten stiehlt, ohne von der Zeile zu rutschen. Ohne von der Zeile zu rutschen hängst du in den Seilen zwischen Schatten und Licht, den Keller tief in der Tasche, den französischen Balkon im Ärmel, das Rad am Schloss. Interim ahne ich und nutze die Siesta zur Aufforstung der eigenen Ränge, den Espresso auf Ex, so dass der Zucker  noch krümelt. Affogato schüttelst du den Kopf und ich notiere innerlich das Vanilleeis für die zweite Chance.