Gemäuer

Zwischen zwei Sprachen

Zwischen zwei Sprachen ein Wort aussprechen
das dir vertraut
wie das Paar Schuhe unterm Bett
die Kaffeetasse im Schrank
und der Blick ins Foyer

Zwischen zwei Ländern einen Atemzug ankern lassen
der dir so gut steht
wie lange nichts mehr
und eine Stille, die mehr Respekt
denn Schüchternheit gezollt

Zwischen zwei Sinnkrisen einen Strand säen
dem der Ozean zwar schon lange schöne Augen gemacht
für den Verstand jedoch Halteverbot verhängt hatte
und der nun altersmilde oder einfach mürbe geworden
eine Bucht aufmachte, die uns sprachlos willkommen hieß.

Gemäuer

Vertrautes Heim

So manches Wort ist mir Heimat geworden, reist mit mir um die Welt, wirft sich für mich in den Disput, wartet in der Hosentasche geduldig auf meine klammen Fingerspitzen auf der Suche nach Halt, nur um dann zur Sprache zu bringen, was fehlte: Herkunft und Himmelskörper, die noch dem ungeübtesten Navigator einen Weg erleuchten

Grün sagst du mit Blick aus dem Fenster, oder besser grüner wird es heuer nicht; und ich zähle die Farben des Regenbogens jenseits von grün schon großzügig dazu, als ich dem Licht den Weg weiße: Links am Schatten entlang, über die Schwelle an der Klingel vorbei, und dann bei den Briefkästen im Treppenhaus immer dem Duft nach, dann kannst du den Sommer nicht verfehlen.

Auf der Terrasse steht einer, der wohl sitzen geblieben wäre, hätte er nicht tanzen gelernt; den Blick ins Feld, die Treppe in Augenschein nehmend: Should I stay or should I go? Der Wind schüttelt derweil störrische Regenreste von den Fensterläden, legt seine Antwort exklusiv den Küchenradios offen, die nächste Mahlzeit ist eine für zwei !