Gemäuer

Rot Ecke Torstraße

Ich mag das ja, wenn und wie du mit mir flirtest, Berlin. Um die Ecke, unter der Hutkrempe, mit Eis in der Hand. Dir steht Gerüst wie mir Brille einst, Europalette sowieso und Rot! Wer könnte rot besser tragen als du.

Dass du mir selten in die Augen schaust, tant pis. Umso mehr genieße ich deinen Blick zwischen Straßenkante und Markise, den du um Laternen wickelst, als gäbs Laternen noch auf Gas.
Du trägst den Backstein nackt auf offener Straße, und wenn er bröckelt, dann bröckelt er, der Putz. Pathos? Bitte noch einen Löffel mindestens, dann schieb ich dich ‘ne Runde durch den Sommerabend und ja, du darfst den Drink auch to go, und das Handy auf den Tisch legen.

Stösschen, unisex und auf ex, my dear, schön wieder durch deine Straßen streifen zu dürfen, deinen Puls im Schritttempo zur Brust nehmend, Atmen, tief und fest, und das Raumgreifen für einen Moment ad acta. Sommerabend auf Pflasterstein, Rockzipfel auf Mückenstich, Schulterblick an Torstraßenschönheit.

Gemäuer

setz dich

zwischen allen stühlen ein plätzchen für deinen mut finden. stauraum für dein stirnrunzeln, dunkelkammern für dieses leise lispeln, das du nur unter lampenfieber hervorbringst.

setz dich.

ein ende finden, das ein anfang sein kann. ohne warteschleife, ohne lehrgeld zahlen zu müssen. auf ex dir das halbleere glas widmen, in dem wissen, dass du aus jeder leere eine windrose zauberst.

nimm den nächsten erst.

abschlag zahlen für das was keiner kommen sah und dich erröten ließ. aus dem stand heraus ein spielbein wählen und die trumpfkarte abschied spielen. abpfeifen und die ersatzbank drücken bis schweiss zu blut und blut zu brüdern macht, was eben noch fremde.

sag zum abschied leis’ adieu.

den brief zu zitieren zählt nicht, ohne die fußnoten zu nennen. das rad neu zu erfinden lohnt nicht, so lange du zu fuß gehst. das gleis zu wechseln traue ich mich nur, sofern du mir den schlafwagen buchst und den schlafwagenschaffner mit serviettenringen in schach hälst, während ich mühle spiele und du gewinnst.

einsteigen, bitte!