Generika, Leise Vergnügungen

Leise Vergnügungen II

 

broken glass

# Sonnenstrahlen kreuzweise stapeln und dabei das Kreuz sorgsam auf meine Nasenspitz ausrichten.

# Pakete bei den Nachbarn einsammeln und dabei in fremde Leben eintauchen, so tief, dass ein Buch im Kopf entsteht.

# Entgegenkommende Menschen anlächeln und für Minuten zu Komplizen gegen den Rest der Welt machen.

# Geschichten auf den Leib gezeichnet bekommen.

# Auf’s Land fahren und morgens in Stille erwachen.

# Das Buch nochmal von vorn lesen.

# Worte wie Pralinen aus ihrem Letterdress schälen und die Satzzeichen für einen Absatz von der Leine lassen.

# Drei Freunde auf einmal wiedersehen.

# Die Kürbisspalten so lange im Ofen lassen, bis ihr Teint von karibischer Sonne singt.

# Amaranthpops in flüssige Schokolade gießen und dann löffelweise vorm Ertrinken retten.

# Haut an Haut denken, nichts als Buchstaben zur Hand und bäuchlings grinsende gelbe Kreisgestalten.

# Apfelspalten in Zimt andünsten und mit Mandelmilch und Ahornsirup simmern lassen bis ein Duft entsteht, der dich in die Kibdheit reisen lässt.

Leise Vergnügungen Part I

Generika

Wir nennen es Proviant

The place to be

Wenn einer geht, dann ich. Aus mir heraus. Auf die Barrikaden. Und unter die Haut. Notfalls auch ohne Termin. Nur mehr ansatzweise fragil. Im Zweifelsfall fußamputiert und den Tresor mit den Wildkräutern zwei Finger breit unterm Kopfkissen, die Tränen reisefertig im Handschuhfach. Neben dem Käse gelagert, der jetzt in mundfertigen Stücken auf dem Teller vor dir liegt, das Brot griffbereit daneben und die Bibel wieder im Nachttisch verstaut. Als ob ich nie ging. Gehen würde. Gegangen wurde.

Mein Sprachhirn stolpert, ich hör es genau, während dein Blick mir löffelweise Heimat ins schüchtern lächelnde Dekolleté gießt. Die Stirn hat sich kokett ein paar blasse Sommersprossen unter den Pony gehängt, die sich kichernd um deine Aufmerksamkeit balgen. Sonne im Nacken, trägt dein Bett auch tagsüber mitternachtsblau. Du atmest leise aber gewissenhaft, den Pony stosslüftend wie es im Buche steht. Geschrieben mit blonder Feder. Eine Stunde zu früh. Ein Jahr. Ein Amen.

Ein Amen, das den Morgen weckt. Verlässlich eine Stunde zu früh, aber mürrischen Blicks. Tageshungrig. Spätpubertär. Säbelzahnfletschend. Aber auch den Tisch deckend für ein Mahl, das den Tag trägt, die Tränen im Einstecktuch birgt und dir ein Lächeln abtrotzt. Eins dieser mundwinkelweit eloquenten, mit denen du mich immer wieder kriegst:. Unter den Tisch. Über alle Berge. Auf deine Seite. Wach. Und hungrig wie am Abend zuvor.