Gestik

Lass mir ein Wunder übrig!

gelb, zwei, drei

Er wollte berührt werden. Da wo es kitzelte, wo ihre Finger Marmeladenkleckse aufspürten, heimische Zwetschge an Tonkabohne etwa, direkt von der Fingerbeere geschleckt. Wenn sie es denn wagte, zu kosten, das Nagelbett mit draller Zungerspitze neckend. Er aber wollte, dass sie seinen Tag umarmte, morgens so gegen viertel vor sechs in den Sekunden bevor der Wecker erwacht. Und wenn er abends zu lange wach blieb, Club Mate sei Dank.

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Er hatte getrunken, sie sah es von Ferne und lächelte doch. Durch die Sehnsucht hindurch und den Trotz, schob den graumelierten Himmel in den Hinterkopf, pulte mit der Zungenspitze Vernunftsfetzen für die kommenden Minuten aus dem linken Eckzahn. Zahnseide wäre jetzt gut, lakenweise. Stets zu Diensten mit Zeit für eine Siesta, für einen Spaziergang gen Noldehimmel, die Wehmut im Nacken, die Knie aufwärts gerichtet, einem nächsten Schritt den Raum bereitend.

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Er betrat den Raum blinzelnd, die rechte Hand lose am Schenkel; ließ seinen Atem von der Leine, der sich alsgleich nackenwärts schmuggelte, en passant die Mulde hinter ihrem linken Ohrläppchen kosend. Ihre Oberlippe ergab sich dem Schauer als letzte, sie hatte er genau im Auge, seinen Zeigefinger Nanometer darüber postiert, auf der Lauer. Spürbar nicht fühlbar, bereit sich zu senken, ohne sich gehen zu lassen, bereit zur Kontakttat, zum Tanz, zum Wagnis Wunder. Was sag ich, zum Kuss.

Gestik

Jenseits von rechts

Einer blickt immer nach links. Hält den Fuß jenseits der Zehen abseits des Schnees. Weiss, wo die Decke zu Ende und das Wasserglas steht. Stand. Störte. Umfiel. Einen See schuf, unzuverlässig wie dein Schlaf. Mal da, mal auf übermorgen verschoben und zwar nachmittags statt nach Mitternacht. Fahrig statt rund. Unterbrochen statt ewig. Zitternd statt umarmt.

Meine Sehnsüchte an sich reissend, weiss mein Bauch, dass links alles was gut, aber auch alles was Schmerz. Der ehemals Knöcherne, der die Bahn am Fuße der Treppe verlassen und ins Ungewisse wollte. Die Hutkrempe, die einseitig Beulen wollte. Der nackte Zeh, die Schulter, welche und du, wenn ich auf dem Bauch schlafe. Das Herz aber bleibt unentschlossen bauchnabelaffin.

Einer blickt immer nach links, findet das Muttermal und küsst zu. An. Auf. Tief. Einmal alle drei und das Kind auf den Kopf. Blinzelt den Ruß aus den Wimpern und das Wasser an Bord. Zieht das Blut ins Eisfach, trägt das Bier auf der Zunge und das Lächeln kokett hinterm Ohr; gestapelt für Zeiten jenseits von Wonne und Sturm, von Weissmehl und pünktlichen Zügen, von Wahlnachmittagen und Fenchelsalami.