Gestik, Leise Vergnügungen

Leise Vergnügungen XIX

Herbst

# der Schönheit Liebesgedichte vorlesen.
# Brot backen, einzig und allein dafür, dass bei der Rückkehr die Wohnung nach frischgebackenem Brot duftet.
# das Brot noch warm fingerdick aufschneiden und mit salziger Butter bestreichen, nur damit ich mir danach die Finger ablecken kann
# die Welt durch den Sucher meiner Kamera betrachten und dabei dem Rückgrat der alten Bäumen folgen
# das Haar trotzig hochstecken und lieber den Schal zweimal um den Hals wickeln
# dem Licht schöne Augen machen, wann immer es noch so schüchtern um die Ecke linst
# Nebelschwaden sammeln
# Buchstaben einzeln verpacken
# Proviant groß schreiben und in Sesamöl baden lassen

Weitere leise Vergnügungen.

Gestik

Magisch bis zum Morgengrauen

Dem Weg zur Hand gehen und dem Ziel seinen Schönheitsschlaf gönnen. Eine Runde extra drehen, auf’s Haus quasi bzw. hinterm Haus, da wo der Weg langginge wenn der Fluss ihm nicht das Wasser abgegraben hätte. Den Mut aufbringen und eine Brücke bauen zwischen Vielleicht und Vorgestern und den Tag um Verzeihung bitten für das Reden um den Verstand, über das Wetter und vor allen Leuten.

Heimlich die Augen schließen und Blitzeis vortäuschen, kann ja mal passieren und dann schnell dich an die Lidinnenseite getuscht, bis es brennt und die Wimpern das Weite suchen, als wär das was mit Watte gefülltes, plüschig sanftes, mit Eierlikör genießbares.

Aber das weiß man ja immer erst, wenn man nahe kommt, zumindest näher als du, der du dem Morgen mehr zutraust als dem Zieleinlauf: Wenn das die Sonne wüsste, wäre sie wohl Mond geblieben, der stets unvollendet lockende Rabenvater der Nacht: Magisch bis zum Morgengrauen; unsichtbar, wenn man ihn braucht.