Gesuche

Die falsche Sprache. Ich. Und du.

Bei unserer ersten Begegnung aber schwiegst du, ich sah dich nur von hinten. Gemeinsam wurden wir in die Geheimnisse der Uni-Bibliothek eingeführt. Beide kämpften wir um den nötigen Ernst. Du warst lang und knochig, angemessen ungekämmt und unsagbar lässig. Ein Alphatierchen, noch inkognito, inmitten unserer Gruppe tollpatschiger Erstsemestler.
Ich war dein Fan…

>> An Tagen wie dem heutigen habe ich Angst vor meiner Sprache, vor ihrer Unbeholfenheit, ihrer Unwucht. Wünsche ich mir fliederfarbene Wortwölkchen, die alles anmutig in Szene zu setzen wissen scheinen. Puff-Flöskelchen statt Fragezeichen.
Auch vor ihrer Offenherzigkeit fürchte ich mich, mit der sie die Dinge offen legt, die ich lieber für mich behalten hätte. Vor ihrer adoleszenten Unsachlichkeit. Und nicht zuletzt vor ihrer steinharten Kryptik.

Dann ärgert mich ihre Unzulänglichkeit, ihre mangelnde Treffsicherheit. Ihre Zaghaftigkeit auch, ihre Trägheit, ihre trotzige Unangepasstheit. Ich wünsche sie mir stromlinienförmiger. Charakterstark. Verlässlich vor allem. Stattdessen gebärt sie sich launisch wie ein verschleppter Hustenreiz.
Macht mich rastlos. Unsicher. Zeit verschwenden. Im schlimmsten Falle mundfaul. So wie heute.

Gesuche

Nuschelnde Träume

Tja, mein Freund, es läuft nicht alles perfekt an der Hippiefront. Und glatt ist einzig das Eis, das gehwegweit das pure Gehen zum Abenteuer verkommen lässt. Ich laufe zum Trotz, notfalls stundenlang um den See rum. Da liegt der Schnee tief genug, dass Vereisen nicht zur Debatte steht. Und das Weiß strahlt, duldet keine andere Farbe neben sich, schluckt jedes Geräusch, auch das unbewusst verursachte und sammelt fast schon pedantisch Spur um Spur.

Abends dann friert es mich, statt den Boden unter meinen Füßen, und zwar wider jedes Erbarmen, mit Venenzittern und Eisblumen zwischen den Wimpern. Erst im Schlaf, unter wildwestromantischen Deckenpanoramen taut erst die linke, dann auch die rechte Körperhälfte. Nur die Zehen verweigern sich bis zum Morgengrauen.

Vor dem Grauen aber bleibt reichlich Zeit für Traumversuche. Zu postmodernen Quilts gesteppte Gefühlsmomente, so flüchtig, wie ich mir das Eis unter meinen Sportschuhen wünschte, so lasziv, wie es das Leben zuweilen gern wäre. Durchblutungsfördernd, wenn auch für den nächsten Tag nicht mehr als ein verführerisch nuschelnder Schatten.