Gesuche

Viel Wut, wenig Boden

Gründeln im flaschengrünen Bereich. Man verzeihe die Sehnsucht nach den Lauten des Portugiesischen, dieses zart-raue, erdig-flüchtige, diese Krachmandel-aromatischen Schnalzlaute. Wunsch nach gnädigem Gefühl macht sich breit, nach konjunktivloser Wohligkeit nach Rätsellösung und Lustgewinn.

Im Hier und Jetzt: Berlin. Stadt der Fashionistas und Diplomaten, der Biologisch-Wertvollen und der digitalen Freimauerer. Wohlfühlort, auch mir. Auch mir: genussverzehrendes Ungetüm, trotzig-widerhäkelnde Klette. Im Hier und Jetzt auch: Zwischenraum ohne Nutzungsplan, viel Wut, wenig Boden. Noch mehr Angst.

Denn ranzig nicht nur das Gesicht, das sich von Arzt zu Arzt mit weniger Lächeln schleppt, ranzig auch der Mut, der, vom Herz erst in die Kniekehlen, mittlerweile nahe des Fußpilzes gerutscht ist. Der Schmerz lässt und lässt und lässt nicht nach und der Morgen, die Zukunft, das Leben danach, wie immer man es auch nennen will: es will nicht dämmern.

Gesuche

Von wegen Powerhouse

Auf erdenden Effekt gebürstet endlich den Bauch der Bäuche. Nicht unterm Knie. Nicht muskeln. Da, wo es kribbelt. Unter falschen Schneemeeren und nur mühsam abzutauenden Schmerzen endlich geborgen auch: der Nabel. Unversehrt, wutumbrandet und rechenschaftsfordernd.

Es sei noch immer derselbe Schnee, sagt sie, und lacht mir zwischen all die zwiebelnden Angoraschichten, die eh schon zitternden Wirbelsäule entlang. Erst oben am Hals wird es ein Jucken, das mich husten macht. Und den Bauch einziehen.

Wenn einer nur nahe kommt, nicht einmal genug, schon gar nicht näher, nur “perto de mim”, senkt sich mein Zwerchfell millimeterweise aber unaufhaltsam gen Beckenboden. Weiht einen Herbst ein, der noch gar nicht begonnen und vergisst die Lippen beim Lachen einzubeziehen.