Gesuche

Out of Leidenschaft

Vor dem Fenster ein Gelb, das bis in die Zahnzwischenräume fühlbar. Die von Natur aus larmoyant veranlagte Sehnsucht nach Distanz mache dieser Tage das Miteinander mal wieder schwerer als nötig, flüstert ihm das Oktober-Horoskop betont beiläufig in den Morgenkaffee. Das hierdurch ad hoc hervorgerufene Hüsteln birgt nebst inwendigem Gänsehäuten jede Menge Unsicherheit. Er beschließt kurzerhand, den Tag mit der Spiegelreflex vor dem eigenen Antlitz zu verbringen und niemandem zu erlauben, sich seinen Tränen in den Weg zu stellen. Es würde ihrer heute einige geben, Taschentücher en masse und abgelegene Pfade also Pflicht. Am Abend würde es Kürbissuppe zum Tatort geben, Briefkasten und Telefon waren außer Gefecht gesetzt, man verfügte längst über ausreichend Routine.

Beim Ankleiden dann wollte der Haarschopf nicht unter den Hut, die Wade nicht unters Knie und das Lächeln nicht ins Gesicht passen. Die Schulter seufzend unter der Last der heruntergeschluckten Träume und als dann auch der erste Druckschmerz aufmuckte, kniete er, äußerlich bereits überreichlich derangiert, neben der Couch. Widerstand und sämtliche Pläne für den Tag getilgt, war der angeschlagene Hinterkopf binnen Sekunden auf das nächstgelegene Sofakissen gebettet. Nur die Ruhe wollte und wollte nicht einkehren, der Wille nicht zurück. Die Sehnsucht aber blieb, angeschmiegt an die Verzweiflung, der Leidenschaft diametral gegenüber, rastlos in der rechten Lidfalte eingenistet.

Gesuche

Die Erotik der Kriminalromane

Es graust diese Willkür, dieses nichts und alles glauben. Herzrasen unter den Achseln, bereits frühs, Fliegengitter vor den Augen, dabei unaufhörlich lächeln wollendes Lippgloss im Abo, an dessen wallartig gewölbten Rändern sich mutierte Pigmenthäufchen ballen. Nach Strich und Faden. Das allseits anmutig inszenierte Blätterrieseln vermag nicht darüber hinwegzutäuschen, dass gute Laune nichts als Kollateralschaden, heiteres Gelächter bloß das unter Krämpfen transferierte Nasenscheidewandwimmern. Riss um Riss geradezu entastet, knarzend ächzt derweil das von Muskeln und Sehnenkraft befreite Schulterblatt die einzelne Rippe. Zu oft zu wenig gemacht, mal wieder, und immer auch zu viel.

Sehnsucht nach dem was da Fußsohlen zuverlässig zu durchbluten, Schenkelinneres erröten und Fingerbeeren transpirieren weiß, nach dem blaueren Blau, dem tieferen Bauch, endlich schweigen machen, auslöschen, all das, was denkt und somit zweifelt. Die Stirn also aushebeln, auf dass die ausgewaschenen Auf- und Niederfurchen alsbald verblassen mögen, das seidige Ohrmuschel-Inlet wieder empfänglich machen für Alphorn- und Obertongesänge, das Neonlicht verbannen und mit ihm alles Regel- und Nachschlagewerk, die Mess- und Mörsergefäße samt dem dazugehörigen Vokabular. Großreinemachen aber ist zu vermeiden, allzuviele Narben künden von porentiefen Reinheitsgeboten und Prohibition.

Vielleicht gilt es die Aufmerksamkeit auf das Licht zu lenken, die Wärme der Schatten, Gnade aufzuspüren, und einen Kanten Weiblichkeit. Jedenfalls den Sinn in die Ecke drängen, spielerisch versteht sich, und trotz all dem Schnee in der Luft noch auf Walderdbeerfunde hoffen. Einfach so. Und sich morgen wieder umentscheiden, den Bart mal wachsen lassen und dafür das Lächeln mit Raritätenstatus versehen, die Schulter öfter entblößen und dafür das Wadenbein warm halten. Vielleicht auch mal Pelz tragen, künstlichen, oder aber purpurnes Rot, und darunter nichts als die nackte Haut wenn man sich auf die Suche zurück zum Feuer begibt, ein Pfund Quark in der linken Hand. We’ll see.