Gegenwart, Leise Vergnügungen

Leise Vergnügungen IX | Sommeredition

Lauschen | © Anne Seubert

Die Gedanken ausschlafen lassen.
Den See umarmen.
Dem Gras beim tanzend Flüstern zuhören.

Die Augenlider fallen lassen.
Dem Herz einen Tag der offenen Tür widmen.
Das Ufer in den Schatten stellen.

Der Sonne ein paar Strahlen entführen, leihweise versteht sich.
Die Zeit zum Versteckspiel auffordern.
Schulterbeine und Schenkel bloß legen.

Gedanken, Leise Vergnügungen

Leise Vergnügungen VIII

Leise Vergnügungen | © Anne Seubert

# Schatten mal nicht in die Flucht boxen, sondern zu einem Stehblues verführen.
# Behutsamkeit üben, auch beim Zähneputzen.
# Der inneren Stimme ein Basssolo an die Seite stellen und einen taktkräftigen Schlagzeuger.
# Die Fersen mit guten Fetten nähren, der Realität für Minuten auf Zehenspitzen nur begegnen.
# Inne halten und Schritt mit mir. Bei mir sein und bleiben, auch wenn es an der Tür Sturm klingelt.
# Mit den Fingernägeln der linken Hand die Gänsehaut auf dem rechten Unterarm necken, bis der nächste Schauer den Rücken runterrieselt.
# Allein im Dunkeln sitzen bleiben.
# Die warm werdende Milch mit Kardamom bestäuben.
# Das Haus nicht ohne Küsse in der rechten Hosentasche verlassen.
# Flieder klauen. Und Kastanienblüten. Und dem Nachbarn vor die Tür stellen.
# Tomaten in den Regen pflanzen.
# Den Wecker auf Mitternacht stellen um nicht eine Minute des neuen Tages zu verpassen.
# Dem Schmerz ein Häuschen am See kaufen, mit Steg und Boot und Spagettieis satt, so verführerisch, dass er gar nicht mehr zurück mit nach Hause möchte.
# Schiffe zählen.

Leise Vergnügungen III, III, IVVVI, VII.