Gedanken

Einen für eine Nacht

Du willst einen Traum, sagst du, einen mit Ecken und Kanten. Einen zum Verlieben. Zum Pferde stehlen. Einen, der die Nacht durchmacht und am nächsten Morgen Kaffee serviert. Mitohne Gluten versteht sich. Einen, der Lippen lesen und Märchenonkel verführt. Einen Tänzer. Einen für eine Nacht. Und darüberhinaus.

Ich will noch den Morgen danach, möglichst ewig, in die ihrerseits schläfrige Frühsonne blinzelnd, die Hände noch bis über beide Arme im Schlaf, ein, zwei Horizonte im Augwinkel und zwischen den Wimpern ein halleluja. Dienstfertig. Im Sonntagsstaat. Überhaupt Sonntag natürlich, der Hefezopf im Ofen, die Butter frisch gerahmt. Das Wadenbein kokett angewinkelt.

Und du seufzt von Abendstunden, weintrunken und leselampenlüstern, von versandeten Zehen und Untergängen in Strandnähe. Und nackten Schultern. Von glücklichen aber stummen Lippen, Schauern im Regen und Minzpesto an Erdbeerespresso. Die Dämmerung stets im Nacken, Mitternacht längst im Visier aber die Knie weiterhin auf Spätsommernachmittag.

Jetzt erstmal Siesta.

Gelüste

Kandierte Steine

Ein Ort für Fragen

Kandierte Steine, sagst du und ich denke an die Zeiten, als Kiesel mir noch köstlich wie Buttermilch und Spucke, dein Zeigefinger mir Salzstein und Kamm in einem. Und dann lachst du und aus dir sprudeln Fragen, die ich so noch nie gesehen. Fragen, die Hunger machen auf dein Leben und das was du zwischen Satzzeichen zu packen vermagst, Koffer für Koffer und Handgepäck jenseits aller Sicherheitsbestimmungen.

Man packe beide Arme in kobaltnen Gips, knietief und bis dass der Bass die Fingernägel streicht, referierst du, und ich warte schon jetzt auf die Mulden, die dein Daumen in meinen Nacken graben wird, wenn die Beweglichkeit wieder einsetzt. Sehnsüchtelnd. Knietief ist wichtig, sagst du und demonstrierst deine knöchernen Ellbogen an unerwarteten Stellen, zückst Augenbrauen, wo ich Stirnfransen erwartet hätte und ziehst deinen Taschensee aus der Tasche, mit Zweige schlenkernder Trauerweide: Falls du schwimmen möchtest, oder am Ufer Geschichten schreiben. Du Schuft!

Du weisst zu gut, wo sich Worte zu Hause fühlen, hältst Klammern bereit, Semikola und ungenutzte Absätze. Und Menschen. Menschen, die dir den Käse einpacken, das Kopfhaar entlausen und den Fisch entgräten. Menschen, die Zartheit züchten, auf dem Fensterbrett, Zeit in dicken Wannen und Arme voller Mut für dieses entschleunigte Leben, das da jenseits von Multitask gelebt werden will, bereithalten. Menschen, die kandierte Steine lutschen, eine Geschichte ausspucken und das ohne zu krümeln.