Gelage

Herbstens und der ganze wilde Rest

Herbstens wird meine Laune milde, meine Füße kalt. Mein Auge sehnt sich nach Gelb, dem satten, sommertrunkenen, das sich – zu allem entschlossen – dem erdigen Moos entgegenreckt. Lächelnd, ohne auch nur einen Hauch Lippenstift an den goldenen Hüften. Meine Finger richte ich inwärts, den Blick weit über’s Gegenüber hinaus, dem ich in diesen Zeiten aufmerksamer lausche.

Zeit, die Strumpfhosen unter den Rock zu ziehen und Stiefel drüber, am besten ein bis zwei Schals um den nackten Hals, bevor man das Haus verlässt. Bilder sammeln für die dunklen Tage, die sich ankündigen, die bereits anklopfen, die bereits den Himmel verführt haben zum Schlafzimmerblick: Stets nebelverhangen, scheint es, und kühl, immer ein Spur zu viel des Grauen. Eine Nacht voraus.

Ich aber bin noch nicht bereit für den nächsten Schritt, will Feuer legen, ganze Brände, ein loderndes Gelb. Atemlos sich zwischen Waden wickelnd, Baum für Baum ganze Wälder erhellend, Lendenwirbel entzerrend, Hüftgold schmelzen lassend. Nacken kraulend. Keuchen machend, jetzt, wo man den Atem wieder sieht. Wo Gräber ihren laubvollen Hofstaat zeigen und wie nebenbei die Tanzlust wecken.

Generika

Flora und Fauna des Bauchnabels

Deine Rippen haben sich zurückgezogen und wenn ich deinen Nabel untersuchen möchte, drehst du dich auf den Bauch. Jeden Tag weiß dein Bauch ein wenig mehr über mich, dein Magen am allermeisten. Suppen liebe ich, und Kartoffeln, und den Kaffee am morgen mit viel warmer Milch. Der Tag ist überfüllt mit Stille, mit Rudern und Rangeln. Jeden Abend aber wartet an der Haustür schon ein sturmbehäuptes Lächeln auf meine Lippen. Der Kühlschrank zum Beißen leer und dein Blick ein Wolkenknäuel. So wolkig, dass dein Bauchnabel feuchte Augen bekommt.

Ihr macht mir Angst und schlechte Laune. Ich mache mich kaputt. Wenn ich gewusst hätte, dass eine Nacht einem tatsächlich auf Jahre die Lust auf nackte Schenkelinnenseiten verderben kann, wäre ich nie. Ja, was eigentlich. Wenn ich gewusst – und nicht nur felsenfest geahnt – hätte, dass Liebe nicht heilt, hätte ich mich trotzdem darauf eingelassen? November, du stehst doch mal wieder mindestens blickdicht vor der Tür mit deinen elenden Nebelschwaden?!

Wie gut zu hören, gerade in Nächten wie diesen, dass auch Superman mitunter ganz schön traurig sein kann.