Gestik

Lohn, Brot und ein Ameisenhügel Phantasie

Ein goldener Oktobertag macht noch keinen kuschligen Herbst, das weiß er aus teelastiger Erfahrung. Aber bunte Strumpfhosen an weiblichen Waden können helfen, das trübe Grau wenigstens jeden zweiten Tag in die Ecke zu drängen. An den übrigen stellt sich seine Phantasie auf die Zehenspitzen, reckt den steif gewordenen Nacken und blinzelt zwischen Nieselregenfäden bis zum nächsten Sonnenstrahl samt Eisdiele und Strandspaziergang hindurch.

Nach dem Sommer ist vor dem Sommer – so weit geht sein Optimismus nicht. Aber sein inneres Näschen vermag den Duft warmer Erde mittlerweile zu konservieren. Seine Fingerspitzen erinnern sich auch in schafsfellenen Fäustlingen an das Pflücken sonnenwarmer Erdbeeren, den Geschmack der überreifen Früchte schon fast auf den Lippen. Wenn der erste Schnee fällt, träumt sein linkes Auge bereits von Schneeglöckchen, während sich das rechte mit der Realität auseinandersetzt.

Noch aber ist Herbst, sagt er sich und plant für das kommende Woche eine ausgiebige Kürbisjagd, ein raschelndes Baum-Entblättern sowie das Schreiben einer Kastanien-Ode. Diese handschmiegsamen, braunen Kulleraugen, die er gerade ob ihrer zweiten grellgrünen stacheligen Haut liebt. Deren schönstes Exemplar – die Schönheit liegt in diesem Fall einzig im Auge seiner rechten Handinnenfläche – er jeden 30. Oktober erneut kürt, um ihn in seiner Manteltasche durch die Wintermonate zu begleiten. Beim Warten auf die Straßenbahn etwa, von seiner Faust kraftsuchend fest umschlossen, die kühle Glätte mit jeder Minute Warten um einige Grad erwärmt, doch nie zum Glühen gebracht. In der anderen Hand das stärkende Brot, üppig belegt mit Butter und geschmacksnerven-reizender Phantasie.

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Stellungnahme

“Ich finde, du bist ein süßes Mädchen.”