Gelüste

Dekolleté, ansatzweise pointiert

Am innersten Rande Identitäten getauscht, in der scheibengeputzten gleichwohl ausufernden Mitte aber: rumort. Rumort als wären Köpfe Setzkästen, als gäbe es Raster, als wäre dies der Trailer. Erklärt. Geschwiegen. Auch deutlich. Und hoffentlich verständlich. Dabei: In der Halsmulde unterhalb des Kinns sich reiben, gegenseitig und immer noch einmal, am liebsten im Kreis. Konzentrisch Röte erzeugen bis Stoppeln sich bilden, Widerhaken, verführerisch wie ein Dekolleté, das unvermutet bloßliegt als nur der oberste Mantelknopf eigentlich geöffnet, ach Sie wissen schon, so ein rundes, Fernweh anstimmendes Bergland. Hörnerne Fibrillen gezüchtet bis sich ein Hohelied anstimmen ließ, so imaginär wie zärtlich, Gischt wie Glut produ-, Kniekehlen provozierend.

Inder zweiten Halbzeit dann Tūmatauenga neu erschaffen zwischen Laken, schwer wir Asphalt aber anschmiegsamer, und ihm den Fehdehandschuh gereicht. Den erwiderten Handkuss nonchalant zurückgewiesen: Ich begehre Rosenkohl-Animationen stattdessen und zwar sofort, reibeisenstimmend von unterm Bett und bei zugezogener Gardinenpredigt mit der Aussicht auf Ribisl-Torte auch und gerade im Ausschnitt. Zur Off-Stimme verramschte Spaghetti-Western zwischen zwei Wimpern bilden ein Panorama das Wesentliches mit einer Lässigkeit gleichzeitig zu trivialisieren und zu rekonstruieren weiß. Die Librettos im Handschuhfach glänzen durch gerade hinterm linken Ohrläppchen fühlbare Präsenz, nur doppelt fremdfingergetupfte Lotion – morgens Elmex, abends Aronal – reinigt den Gehörkanal wirksam von auf Dauer störender Fauna und funktioneller Musik.

Es bleibt die Bitte um einen Punkt. Einen Fluchtpunkt mit leibeigenem Ruhepuls, ein antoneskes Pünktchen mit mattissiger Heiterkeit.

Gerda

Er kam, sah und blieb

Eine ganze Nacht lang und zwei, drei, vier, fünf Pulswärmer darüber hinaus. Die Sonne schien, als er das Rad aus dem Keller holend mit Spinnweben kämpfte. Auf dem Weg zu ihr blieb die Musik aus, was ihn grämte, aber empfänglich machte für das Kompliment in Form einer 67jährigen mit weißem Haar und gelbem Pulli. Was er sich denn dabei denke, jetzt ihren Weg zu kreuzen, wo es doch viel zu spät sei. Schließlich wie alt sei er, 28, 29, also bitte, viel zu spät und dann so attraktiv und mitten auf ihrem Weg – die Welt sei empörend ungerecht! Und überhaupt viel zu spät, da stimme er doch zu, und wie er dazu käme.

Er habe sich beeilt, fiel ihm als erstes aus dem Mund, und ehe er sich der eigenen Schlagfertigkeit besinnen konnte, war das Rad schon weitergerollt, auf der Suche nach der nächsten roten Ampel rein in die grüne Scherbe, die die zuvor im Schlauch zusammengepferchte Luft zu Atem kommen, ins Sonnenlicht blinzeln ließ. Die restlichen Meter also schob er, das Haupt unter Baumkronen dahin tragend, den Lenker fest in der rechten Hand. Schließlich galt es, auch nächste Nacht zu bleiben, die ganze Woche, den ganzen Sommer und die ersten drei Tage vom Herbst.