Geliebte

Herbstknospen

Herbstblüte | Anne Seubert

Und es kam der Tag, da das Risiko, in der Knospe zu verharren, schmerzlicher wurde
als das Risiko zu blühen.

(Anaïs Nin)

Blaublühende Wurzel bist Du. Setzling. In Erde gebannter Keim, feuchtwarm gehalten. Torfummantelter Bodenblütler aus Überzeugung. Frühkartoffel, in der Schale zu verzehren. Lichtscheues Nischengewächs, halbschattengewährend.

Den Fruchtknoten trägst Du nach innen, erst die Frucht, gen Januar reifend, wölbt Dich. Pünktlich zu Weihnachten wechselt Deine Silhouette alljährlich von konkav zu konvex. Scheinschwanger sagen sie.

Du wirfst die Tränen an Drei König und bereitest Dich von da an auf den Sommerschlaf vor: Zwei Erdschichten tiefer, da wo die Erde zu Reich und die Luft zu Methan wird. Kühle um Dich scharend, wühlst Du Dich ins Kindbettfieber, treibst Luftwurzeln aus und entastest Dein spärliches Laub. Nur blattlos wird aus Kobalt Preußisch Blau. Du destillierst es in den Binnenhäuten Deiner Knollen. In der Morgendämmerung blasser Februartage.

Mitunter wird es Mai ehe Du das Faulen Deiner frühreifen Blattknospen bemerkst, bevor Du weißt, dass Du Deine Blüte wiedereinmal erfolgreich verschlafen hast. Zeit, Falten zu schlagen.

Gedanken

Mit den Faltern begann’s oder

Noah ist eine im Jahr der Wiedervereinigung verstorbene Frau mit drei Vornamen.

Katharina Berta Charlotte nämlich rief ihre Mutter sie und sie war weit mehr als nur Oskar’s Frau. Wie so oft starb er als Mann lange vor seiner Frau und in diesem Falle sogar bevor sie ihre Karriere beginnen konnte. Dabei war Oskar ein prägender, im wahrsten Sinne des Wortes, nur die Direktorin, das war sie.
Sie war eine bewegte und eine die bewegte. Sie packte zu und an. Und sie verweigerte sich konsequent dem Spinatanbau – welche Frau kann das schon von sich behaupten?
Sie war die erste Zoodirektorin Deutschlands: Katharina Heinroth, Frau des Verhaltensforschers Oskar Heinroth. 1897 in Breslau geboren übernahm sie 1945, da war ihr Mann gerade gestorben, den Zoologischen Garten in Berlin. Hier hatten von 4000 Tieren nur 91 das Kriegsende erlebt, es gab mehr als einiges zu retten, und mit Elan, Kreativität und Ausdauer baute Katharina den Zoo wieder auf. 1957 gab es dafür das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse.
Mit ihrem Mann teilte sie das besondere Interesse an Vögeln und der Ethologie, der vergleichenden Verhaltensforschung bei Tieren, auch Verhaltensbiologie, genannt. In diesem Zusammenhang arbeiteten sie übrigens auch mit Konrad Lorenz zusammen.