Gemäuer

Vom Kuchen im Keller

Ob du wohl
das Geheimnis deines Lebens
preiszugeben bereit wärst
fragt dein Sohn sonntags
bei einem Stück Kuchen
und Kaffee mit Milch und Zucker
Rezept, fragst du zurück
nicht ganz ohne Hintergedanken
und hältst den Kuchen
ins Spotlight

Dass er adhoc
dem Schmerz deines Lebens
mit dieser Frage sowas von zu nahe tritt
so dass dein Gesicht seine Farbe
der Kuchen seinen Geschmack
und dein Schluckreflex seine Aufgabe
verlustig gehen –
Who knew?
Er augenscheinlich nicht

Vom Kuchen
interessieren ihn weder Rezept noch Geheimnis
Kardamom wäre es gewesen und
zimmerwarme Butter, ein Ei zu viel –
er aber möchte ans Eingemachte
wieder eine falsche Fährte
deinen Schmerz im Visier
Dabei würdest du von den Gurken
und ihren Companions im Glas
standepedes alles erzählen

Von dir nicht einmal
schon gar nicht zweimal
die Geschichten,
die als unerträglich deklariert
im Keller lagerten seit
du wieder denken kannst
und zwar zurecht.

Gegenwart

auch wenn es draussen kalt

Öfter mal weit rausdenken, über das Rauschen hinweg in Gedanken, die noch nicht in Fakten und Fakes geteilt, die noch nicht auf Scheitel frisiert, die noch gänzlich outofbed looking nicht zwischen Fühlen und Wissen unterscheiden.

Öfter mal weit rausfühlen, in einen Menschen hinein und zwischen seine Ohren, tief in die Magengrube und hinter das Herz, das er auf der Zunge trägt.

Öfter mal weit rausgehen, aus der eigenen Welt in eine unbekannte, wo der Weg einer ist, der noch schlüpfen darf, wo die Türen Schleier tragen und die Ufergrundstücke unbebaut.

Öfter mal laut rauslachen, lächeln zumindest, auch wenn das gerade nicht auf der Agenda steht und das Gegenüber andere Erwartungen an dein Gesicht mitgebracht hat. Öfter mal das Fenster öffnen, auch wenn es draussen kalt.