Gegenwart

20 // Twenty Pools to find your Underwater Lover


20 KünstlerInnen aus 8 Nationen wurden zu 10 Tandems kuratiert, die sich aufeinander einlassen, ihren virtuellen Pool gestalten, und transparent ihren künstlerischen Prozess öffentlich hinterfragen, diskutieren und erlebbar machen. Die KünstlerInnen hinterlassen an einem White Board in ihren jeweiligen Schwimmbecken regelmäßig Status- und Prozessmeldungen, um die Entwicklung künstlerisch, transkulturell, technisch oder ganz persönlich mit-erlebbar zu machen: Wie inspiriert und beeinflusst mich ein anderes kreatives Gegenüber künstlerisch, menschlich, ästhetisch – und dies ohne eigene Körper, ohne Werk im analogen, sondern rein im virtuellen Raum?

Der Gestaltungs-Prozess

20 // TWENTY ist ein Projekt, das Kunst und Mensch im digital-virtuellen Raum erforscht und ebenso kritisch beleuchtet. Welche Sinnhaftigkeiten, Emotionen, Vermittlungsmöglichkeiten, Freuden und Methoden lassen sich für KünstlerInnen und ihre Arbeit synthetisieren? Das virtuelle STADTBAD, ein virtuelles Abbild des ehemaligen Bauhaus-Stadtbad der Stadt Brandenburg an der Havel, nahe Berlin, wurde für dieses transdisziplinäre Laboratorium umgebaut, mit weiteren 10 Schwimmbädern und einem komplexen Backend mit interaktiven Gestaltungstools für 2D, 3D-Objekte, multimediale Ausdrucksformen in Klang und Video, Raum- und Lichtgestaltungsmöglichkeiten, Objekt-Bewegungseffekte bis hin zu Wasser und Nebel versehen.

Eines der Tandems bestand aus der Wortlaute-Autorin Anne Seubert und dem Schweizer Komponisten und Professor für intermediale Komposition an der Hochschule für Musik Hans Eisler in Berlin Wolf Heiniger.In unserem Raum erprobten wir den Klang der Worte zum Wasser, Wellen und Wogen, das Untergehen und das Auftauchen. Wir lauschten und lungerten, wir schwammen und schwebten und irgendwann hatten sie sich gefunden: Wortlaute, die schwimmen konnten und Klänge, die tragen und vereinnahmen gleichermaßen.

Zur beschreibenden Projektseite & den Künstler-Tandems
Zu den virtuellen von uns gestalteten Pools (sound ON!)

Das Vorhaben wird gefördert durch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg.

Geliebte

Vier Käse für ein Halleluja

« Comment voulez-vous gouverner un pays où il existe 258 variétés de fromage ? »
Charles De Gaulle

 

Einer kam aus Paris, einer fragte nach Sonnenschein, einer versuchte sich als das Salz in der Suppe. Einer blieb lieber allein.
Einer wusste sprachlos zu überzeugen. Einer gab sich anfangs spröde. Einer zerging auf der Zunge. Einer verlangte nach Messer und Gabel.
Einer krümelte schon am Eingang. Einer duftete durch die Tür. Einer wartete geduldig auf Einlass. Einer ließ sich nicht zweimal bitten.

Quatro Staggioni | Vier für ein Halleluja

Einer verlangte nach Butter. Und Brot.
Einer wollte nicht als erster dran glauben.
Einer zählte bis vier und blieb trotzdem sitzen.
Einer fiel unverlangt auf die Knie.

Einer schmeckte nach Sommer.
Einer glänzte durch Schönheit.
Einer beliebte zu scherzen.
Einer schmeckte nach Meer.

Denke ich an Käse…

Denke ich an Käse, denke ich an Berge. An Almen und Bergkräuter, an Hänge und Waldränder, an Himmel und Milch, an das Melken und das Lab, an den Käser auch und ja, auch an die Kühe.  Denke ich an Käse, habe ich einen Geschmack auf der Zunge, einen Duft in der Nase und einen Schmelz auf den Lippen. Käse ist mir immer auch ein haptisches Vergnügen, Langschläfer auf den ersten Blick und gerne in guter Gesellschaft.

Käse freut sich, wenn man ihn genießt, dessen bin ich mir ziemlich sicher. Käse lächelt in Duftnoten, lacht sich beidseits des Schimmels unter die Rinde und schmilzt bei Komplimenten ohne rot zu werden über den Tellerrand. Käse ist sich seiner Weichheit wohlbewusst, Käse riecht gerne. Und zwar gut. Käse kann sehr gut alleine, mag aber auch manchmal mit aufs Brot oder über den Auflauf genommen werden. Käse nimmt es dir nicht krumm, wenn du ihn mit den Fingern isst. Im Gegenteil.

Innere Werte & guter Geschmack

Käse wartet geduldig bis zum Schluss, dann aber hätte er schon gern einen kleinen Auftritt, möglichst noch vor dem Espresso. Käse atmet gern. Käse mag es nicht zu kalt und gerne sorgfältig eingepackt. Käse liebt Obst und Gemüse und wer ihn nach seinem Namen fragt, seiner Herkunft und was er denn mitbrächte, dem kann er viel erzählen. Wenn er denn mag. Käse ist gern sofort per Du. Käse weiß alle Brotsorten auswendig. Käse kann gut alt werden, wenn man ihn lässt. Käse verrät mitunter erst beim Wein sein wahres Gesicht.

Und dann war ich plötzlich mit den Vieren allein, ein Messer in der Hand und das gute Gefühl, viel Zeit füreinander zu haben. Wir näherten uns langsam an. Erstmal gucken, ob das gut gehen kann. Schnuppern, was in der Luft liegt. Wer wohl den ersten Schritt wag? Ein, zwei vorsichtige Krümel später wussten wir, das könnte was werden mit uns und wurden langsam warm miteinander. Wann wenn nicht jetzt, schien der Besuch aus Paris zu flüstern, und er hatte ja Recht. Bereitwillig schmiegte er sich auf die erstbeste Scheibe und machte so den Weg für eine Jause bereit. In der Halbzeit wurden Getränke gereicht und man verabredete sich für ein weiteres Mal in nicht allzu ferner Zukunft. Das mit der Contenance war jedenfalls gegessen, jetzt war Freundschaft.

PS: Vielen Dank an Ursula Heinzelmann.