Gelüste

Mit dem Finger auf der Landkarte

Leise nur braucht Herakles zu rufen und erntet ein Echo, das vor Fernweh trieft. Im Zuge des Individualtourismus wühlst Du in Karten des 16. Jahrhunderts, Diercke ist abgelatscht und hat nichts Aufregendes mehr zu bieten. Es lockt der Atlas Maior von Joan Blaeu, der Atlas Miller und die Karten des geheimnisvollen Fra’ Mauro durchstöberst Du nächtens. Reist auf runden Karten durch den indischen Ozean auf der Suche nach der Neuen Welt, nach dem Paradies und nicht zuletzt dem Pfeffer. Herzförmige Weltkarten machen Dich lächeln und elfenbeinene Taschengloben Dein Herz höher schlagen. Überhaupt diese Globen, Pappmachékugeln mit feinst ziselierten Metallzirkeln, kunstvoll bemalt und mit Schriften unterschiedlicher Jahrhunderte versehen. Küstenlinien schlängeln sich unvermutet durch Ozeane, bilden Inseln, schneiden Meerengen,ganze Kontinente erstehen an Orten wo man heute kaum ein Atoll weiß. Aber Du kannst die Hände, die Finger nicht ruhen lassen, musst weiter. Du folgst Vasco da Gamas Spuren auf die verrückten Gewürzinseln, nach Sansibar und Ceylon, umrundest auf der blauen Fährte Fernando Magellans den mannshohen Coronelli- Erdglobus und zeigst mir auf seinem Himmelspendant die Sterne des Renaissance-Himmels.
Diese Länder, aus denen Kannibalen schmatzend herüberlächeln, Jungfrauen ihr güldenes Haar endlos kämmen und die Monster kopflos auf einem Bein hüpfen, vermögen es trotzdem nicht so wirklich, mich hinter dem Ofen vorzuholen. Staub von 500 Jahren und mehr lässt sie zuweilen albern, zuweilen grotesk und oft einfach nur viel zu alt aussehen. Doch Du hälst einen Trumpf bereit, einen unwiderstehlichen. Im dicksten aller dicken Bücher zeigt mir Dein rechter Zeigefinger schließlich das Reich der glücklichen Liebe.


(mit Dank an pheerce)

7 Gedanken zu „Mit dem Finger auf der Landkarte“

  1. kopffuessler sagt:

    Wie bekomm’ ich das Bild schärfer? Weiß da jemand nen Tip?

  2. T.M. sagt:

    Was für ein hübsches Thema, madame – Landkarten. Ich könnte stundenlang im Atlas blättern und historische sind wegen der vielen alten Namen sehr interessant.

    P.S.: Wussten Sie, dass Captain Cook in Neuseeland die Mannschaft eines ganzen Bootes an Kannibalen verlor? Kann man bei Georg Forster nachlesen. Der Lieutenant sei allerdings ein Hitzkopf und Grossmaul gewesen …

  3. kopffuessler sagt:

    Nein, das wußte ich nicht, danke. Da steckt ne ganze Menge Blut in diesen Karten, so oder so.

  4. dr.no sagt:

    Ich liebe Karten. Sofern mir die jeweilige Kartographie zusagt, sowohl zeitgenössische als auch historische. Auch war es mir jede einzelne Stunde wert, die ich mit Google-Earth umherflog. Kennen Sie eigentlich ?

    Eingebundene Bilder werden möglicherweise von dem verwendeten Stylesheet skaliert und somit unscharf. Verwenden Sie also fortan keine Gif-Bilder mehr, deren Weite 510 Pixel übersteigt.

  5. kopffuessler sagt:

    Nein, kannte ich noch nicht, ich bin auch noch nie mit Google-Earth umhergeflogen. Danke! Dank auch für den Pixeltipp, allerdings bleibt das Gif auch bei 510 unscharf, wie man unschwer erkennt. Hm.

  6. Ole sagt:

    Einer meiner früheren Freunde zog einst nur deshalb vom bayrischen Coburg in meine ostfriesische Heimatstadt, weil seine Mutter nach der Trennung von seinem Vater die Augen schloss und mit dem Finger auf der Landkarte umherfuhr – und dort, wo ihr Finger liegenbleiben würde, wollten sie hinziehen. Er stoppte über Leer. Auch eine interessante Art, sein Lebenszentrum zu wählen. 🙂

  7. kopffuessler sagt:

    Gibt es so was nicht auch heuer im Fernsehen? Blind einen Dartpfeil auf die an die Wand gepinnte Karte werfen, um dann in der durchbohrten Stadt die Glücksfee wirken lassen?

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