Gelage

Mit Teller-Augen

Ja, der Weltsaal wäre es gewesen, und ist es noch, der mich nicht nur mit seinen Maßen – ich hab ein Faible für solcherlei Informationsangaben –, sondern auch und vor allem mit seinen Lüstern und Leuchten beeindruckt hat. Ganz anders da der prunk-und-gloria-runde Leuchter vor dem Europa-Saal – Zugang meist über die Unterwasserstraße, der erschreckend gut mit dem stirnseitig montierten großformatigen Neon-Orange harmonierte. Wusste man, dass der flaschenbodengrüne, himmelskratzende, lückenlos gekachelte Kamin im Hinterhof die Möglichkeit bietet, verminte Post zu öffnen, ohne die Statik des AA zu gefährden? Man vielleicht, ich nicht.

Die Aufmerksamkeit jedoch trieb es aller Schaulust zum Trotz stetig ins Inwandige, Treppen hinunter, die an wurmstichige Stiegen gemahnten, zum Zehenspitzen zählen, in Hommage an schneeverwehte Kinderwintertage lustvoll bis zur Atemlosigkeit ausgeübter Sport jenseits jeden Teams, jeden Feierabendbiers. Zum harte Kekse lutschen entscheidende Tage bevor ihre Zeit gekommen, den Anisgeschmack mit jedem Zungenschlag ein Stück weiter aus dem kulinarischen Gedächtnis gepult. Zu Atemverschickungen ins Zwerchfell und darüber hinaus, dem Seitenstich den Weg ebnend, den das salzschweißende Warum zu gehen weiß.

Hadern, einmal mehr aus dem Warum ein Wozu ein Wieso ein Woherwohin drechseln, die sich mit jeder Neuformulierung weitenden Löcher mit Floskeln stopfen. Sisyphos. Spätestens dann notfalls nur eines, aber eben mindestens dieses eine, der blondierten Lider heben und einen jener herben Blicke werben, die eben noch ausschließlich das Fresko schräg rechts über Dir goutierten. Die Lungen noch im Reflex mit Luft zum Bersten gefüllt, sind Augen, Magen und der Rumpf längst schon dem karamellisierten Dekolleté von Schlehenmousse, Schwarzbier besaucetem Lendencarpaccio an wimpernbestäubter Rucola-Terrine erlegen.

3 Gedanken zu „Mit Teller-Augen“

  1. dr.no sagt:

    Für Informationen, wie diese sprengstoffresistente Feuerstelle, von der Sie berichten, bin ich auch sehr empfänglich und merke sie mir ein Leben lang, um sie kauzigerweise und btw bei einer Party beispielsweise aus dem Hut zu zaubern als Special Interest Smalltalk. Mehr Sätze beginnen mit “Wussten Sie eigentlich…” in Zukunft.

  2. kopffuessler sagt:

    Dass Sie solcherlei Informationen zu schätzen wissen, hätte ich ahnen können und gleich besser recherchieren, Verzeihung. Wissen Sie zufällig, ob solche Kamine Standard sind bzw wie sonst mit verdächtigen Einsendungen umgegangen wird? Jedenfalls freue ich mich auf die Party, in der wir zwei smalltalkend konspirative Cocktails schlürfen.

  3. dr.no sagt:

    Dem Routinier springen potenzielle Briefbomben durch die verdächtige Polsterung des Umschlags ins Auge. Für gewöhnlich arbeiten Briefbomben mit gewöhnlichem, elektronisch gezündetem Thermit oder Plastiksprengstoff. Hierzu befestigen die Attentäter einen hauchdünnen Draht an der oberen oder rechten Seite des Kuverts, in der Erwartung der Empfänger würde die Sendung dort mit dem Brieföffner aufschlitzen. Ich erbreche daher Umschläge generell an der unteren Seite und trage zudem im Zweifelsfall kevlarverstärkte Spezialhandschuhe. Der Trend geht allerdings zu externen Sicherheitsdienstleistern, im heimischen Kamin wird heutzutage nur noch selten gesprengt. Postalisch eingehende Milzbranderreger sind im übrigen die Zukunft – leider.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.