Gestik

Heterodont

Zahnfleischer nannte er sich, und das war nicht einmal gelogen. Bohrend der Skeptizismus, den er auf der Zunge trug sobald er die Lippen bewegte. Oftmals unwillkürlich. Zahnsteinerweichend sein morgendliches Orientierungsritual: Mit dem erst halbgeöffneten Blick, noch ehe der Wecker es wagt die Stimme zu erheben, einmal um den Block tasten: Bettpfosten, Hausschuhe, Türklinke, Lichtschalter und über den halbabgebissenen Schokoriegel zurück unter die Decke. Noch fünf Minuten. Und vielleicht auch noch mal fünf.

Da heute Mittwoch, ist es weitere fünf später immer noch ausreichend früh, fällt die Entscheidung gegen das heiser-routinierte Räuspern des abgegriffenen Apparates, bleiben die Wimpernausläufer (unangenehm blass übrigens) gen Kniescheibe ausgerichtet. Das Tageslicht schiebt sich mit einer von ihm ob der als angemessen empfundenen Aufdringlichkeit um die Gardinenstange, wenig originell und noch weniger gekonnt den Schlussakkord von „wake me up before you go“ auf der Zunge balancierend.

Blinzelnd schiebt er sich den oberen Zahnkranz ins Backenfleisch, auf der allmorgendlich gleichermaßen zum Scheitern verurteilten Suche nach Gleichgewicht den Beckenknochen ins Roßhaargezwirn pressend. Ächzend die ersten Laute durchs Gebiss ins Universum wagend, erhebt er sich erst, wenn Licht und Lärm sein Hirn ausreichend kraftvoll fluten, bis dahin sitzt auch das Lächeln für den ersten Blick ins eigene Antlitz unter dem Badezimmerhalogen: noch nicht für den Ausgang perfektioniert, mehr alt- denn perlweiß, aber immerhin: Zahnsteinerweichend jeden auch nur Weiblichkeit vortäuschenden Nerv ins Blaue treffend.

2 Gedanken zu „Heterodont“

  1. amadea sagt:

    Ein steiler Zahn, dieser Zahnfleischer.Hieß der nicht Blutooth mit Nachnamen?

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