Gedanken

Die Stille von nebenan

Sitzfläche | Anne Seubert

Deine Stille ist eine der ersten, wenn ich morgens die Füße versuchsweise neben das Bett stelle. Noch aus der Nacht hinübergerettet und erst wenn ich auftrete gewahr werdend, dass das ja schon Morgen ist, und alles andere Regen von gestern, was sag ich, Sturm. Und dann ist auch schon wieder Ruhe und der Kaffee, der einzige, der spricht, laut und in dickwandigen Tassen am liebsten gurgelnd, die Crema auf Kante und den Löffel verzuckert: Einer muss ja süß aufschlagen bei der Nachrichtenlage, eine muss ja wach sein und nüchtern, einer muss ja stillhalten und die Hand auf und dem müden Wunder zum Fraß vor.

Sitz, sagst du, als die Wolke sich nähert und ihre Schatten schonmal Tuchfühlung aufnehmen lässt, da hat die Sonne das Handtuch schon geworfen, so weit, dass kein Tropfen fällt, der nicht zuvor auf Körpertemperatur angewärmt und an Frottee serviert, wir sind hier schließlich all incl., you know, und ich habe ein Auge auf dich niedergelassen, das da eine Weile ruhen, wenn nicht sogar Sitzfleisch ansetzen möchte.

Deine Stille ist eine, die nicht nachhallt, nicht vortanzt, nicht übermütig wird, sondern dem Moment noch im Vorbeigehen eine Bühne bastelt, eine, die aushält, wenn auch erstmal zur Probe oder wie man heute sagt: bis auf Weiteres.  Die trägt, auch wenn alles bricht, selbst die Zeile um, wenn die Zeit sich in Falten schlägt und das Wasser Salz ansetzt, die hält, auch wenn sie selbst in Versuchung, wenn alles lauter und lauter um Vergebung bittet und Ablenkung per default geliefert wird. Deine Stille ist eine, die ich annehmen und duzen kann, auf Anhieb und gute Nachbarschaft.

Gegenwart

Vom Wort zur Tat – and vice versa. Ein Abenteuer in 4 Etappen

Age Of Artists | Bauwerk 2021 | Sprache entwickeln, die wirkt

 

Wie kommt man vom Wort zur Tat? Und wie findet man wieder zurück? Wie beschreibt man, was man vorhat, den Weg der zum Ziel führt, das Ziel und wie kommt man – literally – ins Tun? Welche Worte haben Tatkraft und wie werden wir ihrer habhaft?

Der grossartige Dirk Böttcher  von der ag text und ich haben drei Wegstrecken ausgekundschaftet, wortlauten Proviant eingepackt und der lokalen Sprache mächtige Reiseführer*innen eingeladen, uns auf unseren Etappen zu begleiten. Mit einer Runde Teilnehmer:innen werden eigene Problemstellungen und Vorhaben bearbeitet. Angeleitet werden Schreibübungen, Perspektivwechsel und Reflektion, ergänzt um Impulse von externen Fachleuten für Wort und Tat. Wir diskutieren und erarbeiten gemeinsam Lösungen.

Am 9. April stechen wir in See, gelegentlicher Schriftverkehr ist nicht ausgeschlossen, Tickets und Co gibt es ab sofort hier.


Das »BAUWERK« ist der zweite Teil der hybriden Konferenz-Trilogie und führt die intensive Lernerfahrung aus dem »FERNWERK« in Form virtueller Live-Angebote und erfahrungsbasierter Austauschformate zur gemeinschaftlichen Exploration der Wirksamkeit künstlerischer Intelligenz fort.

Eine ganze Reihe unterschiedlicher BAUWERKE bieten die einmalige Möglichkeit, in kleinen Gruppen und über mehrere Wochen hinweg, den Kreativprozess auf vielfältige Art und Weise zu erleben und zu durchleben. Jedes BAUWERK wird von einem gemischten Team aus Wirtschaft, Wissenschaft und Kunst vorbereitet und moderiert. Genau diese Mischung ist es, die anregende Ideen und überraschende Lösungen für gesellschaftlich und unternehmerisch relevante Themen verspricht. Der praktische Nutzen für Arbeit und Alltag stehen im Mittelpunkt, genauso wie der gemeinschaftliche Forschungs-, Lern- und Entwicklungsprozess.


Zum Auftakt jeder der Wegstrecken gab es einen poetischen Impuls von mir. Diese gibt es hier zum Nachhören.