Gedanken

Ein Schweigen für zwei

Cigarettes after sex | © Anne SeubertUnd dann bist du still geworden…

Du hast dein Schweigen ausgebreitet in die Sonne gelegt.
Du hast dein Schweigen ganz glatt gezogen,
die Ränder gesäumt mit Geduld und Spucke.
Du hast dein Schweigen deine Fingerspitzen spüren lassen, Trigger für Trigger,
bis es sich entspannte.

Das Wort aber hast du bei der Hand genommen.
Komm, hast du ihm gesagt, ich möchte dir etwas zeigen, hast du gesagt
und ihm drei Komma und zwei Zeilensprünge eingepackt, Wegzehrung.
Es gibt etwas, das du lernen solltest, hast du gesagt
und deinen Zeigefinger auf deine Lippen gelegt, zart aber bestimmt.

Du hast dein Schweigen schlafen lassen, und eine Geschichte träumen,
in der es laut und immer wieder leise wurde, in der gelacht, gestöhnt und gejubelt wurde.
Du hast dein Schweigen sich ausdehnen lassen und träge werden,
den Himmel hast du scharf angeschaut zum Abschied, er würde es nicht wagen, zu regnen.

Ich trag dich ein Stückchen, hast du zum Wort gesagt,
und deine Arme ausgebreitet, noch bevor es losging. Komm!, hast du gesagt,
und das Wort hat dir vertraut, hat die Geschichte in dir erkannt, die es erzählen wollte.
Es wird ein weiter Weg werden, die Zeit wird uns lang und unbequem werden,
du wirst manches vergessen, anderes verlieren und vieles erst nicht erkennen.

Du hast dein Schweigen angesehen und in den Himmel geblinzelt, wie man einem Komplizen
zu verstehen gibt, dass man ihm vertraut, dass man ihm sein Leben anvertraut.
Du hast den Weg beim Wort genommen und einen Schritt ausprobiert,
den man nur zu zweit gehen kann, und dann war da ein Weg und das Wort in deinem Arm.

Ich geb euch ein Stündchen, hat sich die Zeit gedacht, und dann hat die Geschichte begonnen, die du erzählen wolltest und die ich mir ausgedacht hatte. Und das Wort hat die Kommata und Zeilensprünge verteilt und den Schluss bis zu einem Ende verschoben, das nicht mal der Himmel auf dem Schirm hatte und der hat schon einiges gesehen, von dem er lieber schweigt.

Allgemein

Im Dunkeln

IMG_20210218_203429_883

Im Dunkeln tappen, leuchtfüßig, das Dunkle als Schutz wissen, sich reinschmiegen bis aller Schatten Licht und alles Licht im Schatten unterging. Anker werfen.

Hinhören, umhören, reinhören, raushören, abhören, anhören, abhören, aufhören. erhören. Die Stille, das Dunkle und das Licht, das du im Ärmel trägst, wie ein Ass, das erst noch gezogen werden möchte.

Ins Dunkle tappen, den hellen Fallen ausweichen, wie einem Brei, der zu heiß nicht gegessen werden möchte. Ins Lichtlose flüchten, wo der eigene Schatten ohne Chance und die Augen auch mal geschlossen bleiben dürfen. Erst blinzeln wenn Dunkel ins Helle gekommen, wenn die Wellen dem Ozean gleich und der Horizont gleißend.

Raushören, reinhören, hinhören, aufhören. Aufhalten. Anhalten. Hinhalten. Raushalten, aus allem was Licht und Schatten wirft, was erhellt wo dunkel sich zeigen möchte, Lidschlag für Lidschlag, die Stunde nach dir.

Ans Dunkle schmiegen, leicht nehmen, was hart macht, leise werden mit zunehmendem Mond, die Fenster schließen, das Herz, die Wunde und dich an mich, die ich im Dunkeln erst mich ans Licht wage, und Ufer eines neuen Tages, der noch nicht gelobt werden möchte.