Gelage

Geschätzt von drei Monarchen

Dresscode | © Anne Seubert

King of Prenzlauerberg, City

Du bist mir Eisberg und Spitzenkandidat,
Du stellst mir deine Helden vor und sprichst von Mut, der mich klein macht,
Du vernascht meine Zärtlichkeiten zum Frühstück,
Du schweigst wenn der Kellner was von Weinbegleitung säuselt während  ich die Hummeln in meinem Hintern zu zähmen oder doch wenigsten zu zählen suche.

“Time to switch from Rose to a Syrah,” 

Geniess mich nicht ohne Weinbegleitung, möchte ich der Speisekarte soufflieren, die er dir reicht, ich bin kein all you can eat, ich bin auch nicht à la carte zu haben, aber du trinkst Bier heute, weil du weisst wie gern ich Lippen küsse, die das Herbe noch in sich tragen.

“Nachtisch?”

Eher schon Atlaskorrektur, verrät mein Blick und sucht das Weite, das den Himmel neidisch und das Meer alt aussehen macht. Wie weit möchtest du gehen, will deine Hand wissen, als sie mir den leichten Schal um die bloßen Schultern legt, es ist kühl geworden, und du frierst doch so leicht.

“Nein, ich geh heute nicht mehr tanzen!”

Ich geh heute überhaupt nicht mehr zu Fuß, nicht über Los, nicht um die Ecke und schon gar nicht auf die Fläche, die dem Tanz gewidmet ist, den ich dir ohne mit der Wimper zu zucken geschenkt hätte, aber heute ist Schicht im Schacht, die Maschine hat den Menschen überholt, und das ohne aus der Kurve zu fallen oder auch nur den Boden mit dem Knie zu berühren. Dieses Knie, das sonst oft den Ton angibt und gerne mal Kante zeigt, nackt wie Gott es schuf.

Gegenwart

mit dem himmel per du

Himmelssprache |© Nina Hitze
Bild: Nina Hitze

und dann liegst du da und fragst dich, wie weiter in dieser welt, die nicht weiter will. die einfach liegen bleibt und den frühling verschläft, dabei mochte sie den sonst doch immer am liebsten.

und dann liegst du da und siehst die decke, die dir nicht mehr auf den kopf fallen will. die zur landkarte wird, mit ecken, in die sich der staub flüchtete und schatten, die die lampe wirft, wenn du abends das licht hereinbittest.

und dann liegst du da und hörst nichts als stille, die dir immer lieb, jetzt aber zu viel des guten. diese stille, die plötzlich droht statt beruhigt, aufwühlt statt tröstet, die sich eine eigene stimme bastelt, jenseits deiner projektionen.

und dann liegst du da und fragst dich wie weiter in dieser welt, die den anrufbeantworter ausgeschaltet hat und selbst auch nicht ans telefon geht: closed until further notice. die einfach still bleibt, auch wenn dein leib tosen möchte, wellen schlagen. und lippen lesen.

und dann liegst du da und der himmel erzählt dir seine geschichte, die ein märchen sein könnte von 100 – und einer nacht, von wolken, die aufziehen und sich hemmungslos ausregnen auch, von einem horizont, der grenzen liebt, und von immer noch einem morgen danach.