Gelüste

Bei Anruf Kuss

Deinem Blick ausweichen
kurz ins Leere
links von dir
lächeln
dann
meinen Blick ins Treppenhaus schieben

Zwischen Klingelstreichen warten
im Rez-de-chaussée
deine lispelnden Lippen
auf meinen
bereits verstaubten
Mund

Haarsträubend
die geahnte Verlockung
eine Treppe über meiner Stirn
widerstrebend
streich’ ich mir die Locke
hinters Ohr
deinen Zungenschlag erwartend

Geliebte

Leibschaftlich grüner Atem

Du fragst mich, ob ich dünne Frauen mag und ich möchte dir am liebsten ins Gesicht weinen, wie sehr ich schwelgende Leiber liebe. Skizzierte Grübchen einerseits und ausformulierte Muskeln gleichermaßen. Konvexe Schatten im Augwinkel, die Beuge deiner Knie und der Wirbel im Nacken. Wenn Landschaften entstehen, wo per Definition nur Gliedmaßen ankern, und Wildblumen mich hinters Ohrläppchen locken. Mulden, die beatmet werden möchten, Runzeln, die nach Zungenspitzen rufen. Und Spiegelbilder, die jede Netzhaut Regenbogen schlagen lassen. Lasset das Jahr beginnen.

Unterm zärtlich ziselierten Pony trägst du auch im neuen Jahr Ecken und Kanten, ich sehe es mit Freude. Die Bemosung deiner Atemzüge aber ist neu und erfüllt mich mit Schrecken. Ich fürchte um Lispeln und Laute, um das heisere Flüstern und das gurgelnde Rollen ausgewählter Konsonanten. Halte Abstand, my Dear, ich erwarte deine ersten Schritte mit zitternder Unterlippe und Grünspan trunkenem Schild.