Gestik

Knie in Beugehaft

Den Tag schon vor dem Abend loben und direkt nach dem Frühstück drei Kreuze machen. In rot, knallrot und silber. Den Kaffee ablehnen, stattdessen den Mittag an den Haaren herbeiziehen und genüsslich Locke für Locke um den Ringfinger wickeln. Dann: Vorfreude züchten auf den Nachmittag mit ihrer Stimme, auf die Sonne im Nacken und das schmelzende Eis. Bis sie absagt.

Lauschend dem Widerhall ihrer Märchen, betäubt mit Eindrücken, was da nicht aufhören will zu klirren. Schrill. Und hustet auf offener Straße, weil sich nicht alles runterschlucken lässt, weil ihr Pony ihn hinter dem linken Ohr kitzelt oder zumindest die Erinnerung an das Kitzeln ihn niesen macht. Weil es ihn kratzt, tief im Hals hinten, dass ein Kuss vorerst nicht ansteht.

Nicht niederknien. Nichtmal den Kopf auf die Knie legen. Schon gar nicht köpfen, weder Knie noch Kehle. Lieber küssen was das Zeug hält und das Leben zu geben bereit ist. Sagt er sich, schreit er sich ins Zwerchfell, das da ziept und zwackt und um Panettone bettelt, mit Vanille-Mascarpone und Erdbeerschaum zum Niederknien. Zum sich gegenseitig in den lippenwarmen Mund löffeln.

Generika

out of nippon

Mindestens schon drei Texte zu diesem Titel verfasst. Keiner aromadicht getextet, alle mit zu vielen Konjunktiven, zu viel “ich”. Dabei handelt es sich hier um ein Café nicht weit von mir sowie einen ungeteilten Sehnsuchtsort, ausgekleidet mit einem sättigenden, fuß- bis kopfwärmendem Soundteppich (ungefähr so in die Richtung). Es ist neben dem Küchentisch im Haus meiner Eltern einer der wenigen Orte an denen ich Zeitung lese, Artikel für Artikel. Die FAS gibt es dort und feinen grünen Tee (ein Ort für Herrn Krüger?) und von dieser warmen, ruhigen Freundlichkeit mitFenstern zu einer Straße, die ich sofort adoptieren möchte.

Und noch immer zieht der Winter mit kalten Tagen im Schlepptau durch die unbewachten Wochentagsmorgen, süffelt Arbeitsunlust, verlangt Schutzgeld bei Handschuhlosigkeit und zu kurzen Röcken, kürzt die Nachtruhe auf Kosten der Heizperiode, lächelt ob Balkonbegrünung und Sonnenbrillen. Bringt Regen. Die Normalität aufs Brot gestrichen, dick, zwischen Nutella und Butter, den Würgereiz überbietend, flitzt deine Stimme über meine Unsicherheit, meine ungeliebten Freunde, rückt mir auf die Pelle und erobert sich lächelnde Augenblicke, einen nach dem anderen. Gut, dass die Fassade steht, kaum Tränen, man lobt die Ausgeglichenheit.

Bergauf sieht das Glück verliebt aus, mit Babybauch im inneren linken Augwinkel, wahlweise Kotflügel unterm Schulterblatt. Wahlweise kann das Glück fliegen. Erwähnte ich, dass ich Ranunkeln liebe?