Gelüste

Antipasti in Erdtönen

Manchen Weg meistert man am Besten zu Fuß.

Halmhohes Wurzelwerk unter der Sohle beruhigt den Herzschlag auf das Nötigste. Matsch, so weit das Auge reicht, nur in den schärfsten Kurven notdürftig Rindenmulch. Der Stadt entkommen. Aufatmen. Dem Auge einen Fokus suchen, dem Herz ein Ziel, der Ferse den nächsten Halt. Knietief im Nichtsdestotrotz. (ankommen)

Spüren, wie sich winzige Wassertröpfchen zwischen die locker geflochtenen Strähnen schmiegen, Pore für Pore nähren, die Schleimhäute wiederbeleben. Feuchtigkeit satt und nicht eine Menschenseele in Sicht. Raum für Atemzüge und Schrittweiten über der Norm. Raum auch, den Liedzeilen im Kopf eine Stimme zu geben. (weich werden)

Keine Spuren, kein Zurück. Dafür Augenblick für Augenblick genüsslich auf eine Gabel gespießt. Sichtachsen, als Appetithappen drapiert in lasziv transpirierende Stillleben. Licht nur um Silhouetten erahnen und Schatten zeichnen zu können. Zuweilen: ein großzügiger Streich leuchtendes Gelb inmitten sahnigen Brauns. (eintauchen)

Gelage

Sechs Winter und fünf Sommer

Mitunter, da wünscht er sich, dass du ihm heimlich über die Schulter schaust, wenn er seine unsichtbaren Indianerjungen zeichnet. Dass du den Kaffeefleck zum Little Big Horn machst, den er dir auf dem Küchentisch hinterlassen hat, als er morgens die Wohnung verließ. Dass du mit seinen lose über die linke Schulter geworfenen Blicken heißblütige Briefe aufsetzt, Seite für Seite füllend, ein feierabendliches Lagerfeuer initiierend.