Gestern

Wie machen Sie das mit dem Glück?

Meine Füße sind mit den Jahren kleiner geworden, das hätte ich nie für möglich gehalten. Mittlerweile mag ich sie richtig gerne. Ganz im Gegenteil zu der ppt, an der ich gerade arbeite. Warum sind Sonntage in diesem Jahr so ausufernd für Liegengebliebenes gut? Warum folgt auf den Sonntagnachmittag immer diese Trauer, die bis zum Dienstag mindestens anhält?

“Du hast nur ein Paar Füße. Wenn die Schuhe dir weh tun, musst du sie wechseln. Die Füße, die kann man nicht wechseln”, sagt Monsieur Ibrahim im Film, den ich gerade aus dem einen Augenwinkel verfolge und ich kraule mein Tasthaar, das sich auch nicht wechseln lässt. Nur Schmerzen macht. Wird ein eigentlich lebloses Tasthaar berührt, biegt es sich und bewegt das Blut in der Kapsel zur Seite.

~~~~~~~~~

Gestern viel über Träume gesprochen, dringend nötige Sprachfetzen aus der Kehle gegurgelt und in Wortpakete geschnürt, die das Gegenüber hoffentlich auch ermunterten. Nicht nur zermalmten. Mich in den eigenen Träumen sehr fremd gefühlt und das Leben der Tage um die Nächte mit diesen Träumen am liebsten gleich mit in die Wortpakete geschnürt. Die Langeweile und den Ekel, den Neid und die Ungeduld. Vor der eigenen Wucht in die Knie gegangen, die Arbeit auf heute verschoben, den Brunch abgesagt und der Wehmut nicht den nötigen aber doch mehr Raum als wochentags gegeben.

Ausgiebig aus dem Fenster geschaut und auch die eigenen Kurven einer Musterung unterzogen. Sorgen entdeckt, die sich so tief in die Poren gebohrt hatten, dass längst Tasthaare darin wurzeln. Lebenslos und doch mit der Kraft meinem Dasein tagtägliche Schmerzen zuzufügen. Lust bekommen auf Unbekümmertheit, auf einen Sommer voller Augenschmaus und Verführung. Voller Komplimente, voller Aufbrüche und am liebsten vollgepackt mit wollüstig räkelndem Glück: Vom kleinen Zeh übers Knie bis in den trotzigen Kopf.

Gestik

Das Wasser war gar nicht mal so tief

Und das Blau fehlte. Und das Knie schmerzte. Und der Rachen war salbeiumspült. Trotzdem oder gerade deswegen leuchtete die bedeutungsträchtige Muße des Gartens Neuhardenberg tief. Verlangsamte den Lidschlag, beehrfurchte die auf der kurvigen Fahrt übriggebliebenen Gedanken. Ließ den Hunger nichtig und den Frust blass werden. Contenance war gefragt.

###

Das Paar, das eben noch im Auto gesessen, war plötzlich 3 Schritte voraus. Sie hinkend, er bemüht casual. Die Wasserflasche war wie so oft im Waagen geblieben, die Kehle kannte hier beim besten Willen keine Rücksicht. Im Gegenteil: Es ließ sich nicht mehr schlucken. Dabei war man nach Durchschreiten der Toreinfahrt um Jahre gealtert, da hilft auch die weitwinklige Kamera vor der gerunzelten Stirn nicht weiter. Der Himmel immerhin blieb verlässlich grau.

###

Ob all der offensiven Mathematik noch in der unscheinbarsten Fensterkante von einem Wall an Unvernunft und Kurvenlust erschüttert. Der Herzschlag vom Bauchnabel übernommen fühlt sich das Brustbein adhoc leer und allein, nichts als den Druck sehnsüchtig schlingende Arme herbeisehnend. Ich aber möchte ein hölzernes Haus, ein Dach nur für mich, von einem Garten umgeben der im kaspischen Meer anfängt. Nicht endet. Und ein breites Fensterbrett.