Gedanken

ça suffit!

Es nährt Hoffnungen, verwelkt die Sinne und lacht – und das mit ein und demselben Atemzug, ich weiß ja. Und ich mag nicht mehr, nicht mehr vor, nicht zurück, schon gar nicht bleiben. Nicht zeigen, nicht verstecken, nicht aufrecht und auch nicht gebückt. Keine Fragen, keine Antworten und wer braucht noch Worte? Sätze? Ich verliere das Gedächtnis mit der Haut, der Elan geht mit jedem zusätzlichen Schmerz einen Schritt zurück, lässt meinen Schatten allein und der hält dem Regen nicht stand, nicht dem kleinsten Niesel, schon gar nicht Novemberregen. Der Geschmack, einst Möglichkeit zum Genuss wird blass, blässer, die Papillen gieren nach süß-sauer-scharf aber der Magen schützt kosntant Übelkeit vor, verzeiht nicht eine Prise Curry.

Und immer folgt doch noch ein Tag auf diese Nächte, die ich nicht kennen möchte, auch wenn ich sie einzeln durchwache. Stopfen, alles was juckt, schmerzt, hungert oder sonstwie auffällt. Lügen, in jede Lache, jeden fragenden Blick, und heimlich Träume begraben, die gemeinsamen und die einzelnen, die misslungen und die ambitionierten. Möge Schnee drauf liegen bleiben, meterweise!

Bloß nicht mehr durchhalten, nicht einen Tag länger, keine Nacht mehr einsam, keine Sekunde mehr vergeuden, keine Hornhaut mehr am kleinen Zeh. Das Leben höchstens an der Angel, auf Distanz oder am liebsten aber vielleicht gar im Rückspiegel, und den entsorgt. Já chega!

Gestern

Sonntage sind für leere Bücher und leere Bäuche gemacht

Gestern mit dem M. auf einer gar milchlüsternen Lesung mit teils Schweizer Akzent und langhaarigen Frauen im Publikum gewesen und prompt mehr blaubestrumpftes Bein gezeigt als gewollt – mangels Sitzmöbel. Trotzdem gelächelt, viel und heimlich und laut und mich an Wortwendungen gefreut, die unter dem Stirnband getragen, in die Jauchegrube geschüttet und den Tücken der Kommaregelung gewidmet waren. Am Abend danach, im Bad beim Zähneputzen, die unverdauten Satzfetzen unter der Zunge hin und hergeschoben. “Er verliebte sich immer in Frauen, die er nicht mochte” behauptete Judith Keller, während Jan Snela “in Gesichter geschriebenes Bangen, das Geld möge reichen” heraufbeschwor – draußen war es erst dunkel geworden, während wir dem zweiten Schwung Texte lauschten.

Beim ersten hatte es noch hörbar in Strömen geregnet und Jan Snelas Milchbad erschien vielleicht gerade deswegen so verführerisch, vielleicht aber auch wegen des Schmands und der Extraportion Sahne. Dem wieder anhaltenden Regen zum Trotz den Heimweg zu Fuß auf die Füße getreten, das Fahrrad samt Lampe nebenher geschoben. Nachts dann doch wieder in Bildern geträumt, kein Text, keine Legenden, nicht einmal Untertitel. Beim Aufwachen den Regen vermisst und die Sprache, das alleine sein vor dem gemeinsamen Frühstück drum genossen und nur mit einem heißen Kaffee mit extra viel Milch genossen. Auf dem Balkon.

Später geputzt statt geschrieben, geradelt statt gerannt, gekocht statt gebacken und gegen die ob des Föhns dräuende Migräne gewettert. Vier Kilogramm Obst und Gemüse reicher gelang zwar das kunterbunte Ausschöpfen aller in der Wohnung befindlicher Vasenkapazitäten, der Sonntagsblues aber blieb und das zuweilen aufmüpfende Lachen, unter Berufung auf die akute Erschütterungssensibilität des oberen Schädelknochens unterdrückt, grunzte zurecht verächtlich. Immerhin dem Schweigen gegen Tea o’clock das ein oder andere Wort abgetrotzt – wenn auch unzusammenhängend und ohne Adressat – und schließlich doch noch einen großzügigen Löffel Erdnussbutter in die bereits sämige Sauce gerührt, gar ein Buch zur Hand genommen, ein leeres.