Generika

Jahreswechsel

Zur Nacht das Spiegelbild abgehängt, den Scheitel verflochten und die Schenkel entzweit. Ferse und Nasenbein über Nacht auf’s Kreuz gelegt. Am nächsten Morgen noch schnell die Brüste zurechtgerüttelt, die Ohren geschlossen und den Magenboden ausgefegt. Den Blick gelockert, den Bauchnabel festgezurrt und das Bündel geschultert.

Leber ist gerade nicht viel. Auch Lungen und Nacken sind verschleimt. Aber das Knie röchelt nur wenig und die Schulter maunzt in taubstummen Dissonanzen. Immer mal wieder. Trotzdem oder gerade deswegen ist der Trotz wieder erwacht. Der große Zeh möchte lackiert werden, purpurn am liebsten, der kleine bleibt lieber nackt. Das Herz denkt wieder und der Verstand räkelt sich zumindest.

Ein Jahr, so schmerzhaft wie unnötig, schickt sich, Herbst und Winter voran, ein zweites zu werden. Noch blüht die Ringelblume und füttert den Fluchtreflex. Für ein weiteres fehlt mir der Hunger.

Gelüste

Danke, dass Du

  • mich um 4 Uhr früh aus dem Schlaf kitzelst, weil am Fuße des Teufelsberg ein Gänseblümchen zu blühen wagt.
  • mir um Mitternacht Frühstück servierst, weil du weißt, wie sehr ich unangemessene Mahlzeiten liebe. Frühstück besonders.
  • deine Finger in mein Haar flichst, ohne dass ich es merke, während der Bus über Kopfsteinpflaster brettert.
  • meine Schuhe, dem heiligen Nikolaus zu Ehren, mit Konfekt und Walnüssen füllst, auch wenn noch lange nicht Dezember.
  • mir dein letztes Lächeln vor dem Schlafengehen schenkst, auch wenn der Tag längst alle verbraucht hatte.
  • deinen Lieblingswein mit mir teilst.
  • mich in den Schlaf singst, wenn ich vor Erschöpfung nicht mehr ins Bett finde, obwohl du eigentlich nicht singen magst.
  • mit mir frühmorgens über den Markt schlenderst um seltene Gewürze zu finden.
    ans Meer fährst und meinen Monologen lauschst.
  • das Konzert des Lieblingspianisten im übernächsten Kuhdorf ausfindig machst.
  • auch nach der siebten überdimensionierten Fahrradtour noch Lust auf sportliche Betätigung hast.
  • doch noch einen Film findest, bei dem ich wach bleibe.