Gelüste

Im Angesicht der Kunst

Einen Kokon mir weben, innen ganz Kaschmir und außen Wunderkerzenfeuerwerk in Endlos-Schlaufe. Jetzt und sofort. Dabei hatte der Kommissar doch bereits im Vorspann ebenso kunstvoll wie vielversprechend mit seiner einzigen Zuschauerin geflirtet, hatte sich dann aber doch bis zum Abspann erfolgreich in Einsamkeit und Karriereabsichten geflüchtet.

Ein Widerspruch weniger, träumte er neulich beim samstäglichen Gladiolen auswählen so vor sich hin, stünde ihr gut zu Gesicht, dafür ein wenig mehr Meinung und kräftigere Farben. Die nachmittägliche Kunst blieb davon unbeeindruckt blass, erschreckend banal und nur in ihren Ausmaßen erschöpfend. Erst der Kaffee danach ließ also Knie und Lächeln weicher werden und drängte den Hunger um die entscheidenden Viertelstündchen in den Hintergrund.

Später dann, Feierabendgesängen jenseits des Alltäglichen lauschend, hören sich ihre Blicke wieder wie damals an: verführerisch unschuldig, zum Verlieben unverfroren und ohne jede Angst. Sein linkes Schulterblatt erinnert sich vor Vorfreude schauernd der ersten Begegnung ihrer Finger mit seiner Haut, dort wo die Haut sich flügelzurückdrängend spannt, dort wo ihrer linken Hand Ring- und Mittelfinger seiner gleichsam zaghaft und forsch habhaft wurden. Dort wo seitdem sein Rückenhaar sichtbar grau.

Gesuche

Die Erotik der Kriminalromane

Es graust diese Willkür, dieses nichts und alles glauben. Herzrasen unter den Achseln, bereits frühs, Fliegengitter vor den Augen, dabei unaufhörlich lächeln wollendes Lippgloss im Abo, an dessen wallartig gewölbten Rändern sich mutierte Pigmenthäufchen ballen. Nach Strich und Faden. Das allseits anmutig inszenierte Blätterrieseln vermag nicht darüber hinwegzutäuschen, dass gute Laune nichts als Kollateralschaden, heiteres Gelächter bloß das unter Krämpfen transferierte Nasenscheidewandwimmern. Riss um Riss geradezu entastet, knarzend ächzt derweil das von Muskeln und Sehnenkraft befreite Schulterblatt die einzelne Rippe. Zu oft zu wenig gemacht, mal wieder, und immer auch zu viel.

Sehnsucht nach dem was da Fußsohlen zuverlässig zu durchbluten, Schenkelinneres erröten und Fingerbeeren transpirieren weiß, nach dem blaueren Blau, dem tieferen Bauch, endlich schweigen machen, auslöschen, all das, was denkt und somit zweifelt. Die Stirn also aushebeln, auf dass die ausgewaschenen Auf- und Niederfurchen alsbald verblassen mögen, das seidige Ohrmuschel-Inlet wieder empfänglich machen für Alphorn- und Obertongesänge, das Neonlicht verbannen und mit ihm alles Regel- und Nachschlagewerk, die Mess- und Mörsergefäße samt dem dazugehörigen Vokabular. Großreinemachen aber ist zu vermeiden, allzuviele Narben künden von porentiefen Reinheitsgeboten und Prohibition.

Vielleicht gilt es die Aufmerksamkeit auf das Licht zu lenken, die Wärme der Schatten, Gnade aufzuspüren, und einen Kanten Weiblichkeit. Jedenfalls den Sinn in die Ecke drängen, spielerisch versteht sich, und trotz all dem Schnee in der Luft noch auf Walderdbeerfunde hoffen. Einfach so. Und sich morgen wieder umentscheiden, den Bart mal wachsen lassen und dafür das Lächeln mit Raritätenstatus versehen, die Schulter öfter entblößen und dafür das Wadenbein warm halten. Vielleicht auch mal Pelz tragen, künstlichen, oder aber purpurnes Rot, und darunter nichts als die nackte Haut wenn man sich auf die Suche zurück zum Feuer begibt, ein Pfund Quark in der linken Hand. We’ll see.