Gerede

„Mein Körper wird ein Leichnam sein“

30 in Raten, in Filmrollen, in Kussszenen, in Westernhelden. Nur 24 davon am heutigen und wohl auch am morgigen. Den Fuß in Wolle gehüllt, in kieselsteinfarbene. Das Knie darüber schmückt deine Boxershorts.
Jeder: ein Körper, ein zahnendes Zehenrad, ein zutzelnder Schotbruch am Weltfrauentag. Jeder: ein Schmeckender ohne Kochbuch, ein Schreiberling bar Muttersprache.
Und ich sage hei. Hei, gut, dich zu hören, am andern Ende. Nur so nüchtern, so sachlich die Worte, so überfrachtet mit Information, dass kein Platz mehr für sprachliches, emotionales Engagement bliebe. Minuten, abgezählt und in Themen aufgeteilt lassen keinen Raum für zweifelndes Lächelnd, für schweigende Zärtlichkeit, für nostalgisches Murmeln.
Gut auch, deine Worte zu lesen. Nacht für Nacht neue Inhalte in alte Worte gepresst. Funken ohne Feuer ohne Welt ohne Leidenschaft. Gut, über die Flächen Nachricht zu erhalten, schade um die Kanten, die gekürzten. Die Falten der Angst vermisst, den schüchternen Zwiebelatem und die suchenden Lippen. Die wärmenden Hände erst.
Gut schließlich, von den Fortschritten zu wissen, von geleerten Gläsern und bestellten Nachspeisen. Gut, dass es Stimmproben gibt, die die wimmernde Sehnsucht zu filtern im Stande. Gut, dass keine Frage auf die Nerven abzielt, keine auf das Danach oder Dahinter, dass Dekolleté oder langes Bein ausreichen, die Aufmerksamkeit zu fesseln. Gut, dass (Ab- und Bau-) Gründe nicht gefragt sind beim Erstgespräch.

Gestern

They call it weekend

Heut nacht geheiratet, dreimal mich selbst und einmal den älteren Herrn zwei Tische weiter mit Gauloise und Rotwein auf dem patinabehafteten Tisch. Davor, danach und zwischendurch ans Wasser geflüchtet und den Boulevard hinabgetapst, ein- und siebeneinhalbmal. Dabei von einer Zukunft in Holland geträumt, oder irgendwo, jedenfalls außerhalb von Normal und mit jeder Menge Spaß. Mich an Poffertjes mit portugiesischen Oliven verschwendet und in endlosem Kusse vor Publikum geendet.

Am morgen danach dann die obligatorische Scheidung über die Bühne gebracht, unspektakulär, geradezu nüchtern bei Schrippen und Hering und einem großen Pott Selbstgebrautem (Illusion an Tagesgeschehen, doppeltgebrannt und mit einem großzügigen Schuss Skepsis versetzt). Nachmittags eine nachträgliche Affaire mit dem Hutmacher, auf dem Weg zum Flohmarkt bei der Konditorei um die Ecke unter dem Baum, dessen Blüten mich immer – außer in Anwesenheit des Verführers – nießen macht. Für eine Sonnenbrille entschieden, nicht rosa, nicht braun, nein unbeglast und damit wintertauglich.

Den Abend vor Filmen verbracht. Langsam geschnittenen, aus der Mode gekommenen. Trotzdem zwei Tränen verdrückt und den Montag erst mal auf Eis gelegt – ja, man kann auch mit dem Dienstag starten, nein, der Montag ist nicht unersetzlich. Musik vermisst und den Mann, den zu ehelichen ich mich am Abend zuvor noch entschieden und am Morgen danach die Verbindung doch wieder rückgängig gemacht hatte. Die rechte Hand theatralisch an die Stirn geworfen, was von Blümeranz gemurmelt und zurück zum Zirkusvolk getaumelt. Bis zum nächsten Jahr!