Gestik

Message from Hönow

Selbstironische Souveränität, mäandernde Männlichkeit und eruptive Eloquenz – die schnarchenden Schenkelhälse lässt er vorerst unerwähnt. Und dann regnet es doch, ehe er die Straßenseite wechseln, die blinzelnde Ampel links liegen lassen und das Fräulein von gegenüber in die Morgenandacht schließen konnte. Frust macht sich breit, dieser vorcroissanteske, kaffeearme Montagmorgenfrust, dem die Arbeitswoche den Nacken tiefer drückt, so dass Mund und Nase den gleichen Atem ausstoßen: graubraune Schlieren, die sich in jedem Lächeln verhaken, ihm bereits im ersten Anflug jede Strahlkraft entziehend. Wimpern verklebend. Ansteckend.

Jetzt heißt es gegenhalten, Immunität vortäuschen, Parkettsicherheit fingieren, Optimismus nicht bloß subkutan sondern doppelt dosiert intravenös einflößen, und sich GlückReichtumEwigenFrieden prophezeien – selffulfilling, you know. Der Blick auf die unglücklich weil schief angebrachte Zeitansage verspricht Stress auf den letzten Metern, trotzdem gönnt er sich und dem Nächsten in der Schlange eine Runde Zärtlichkeit to go, mit extra Streicheleinheiten und Himbeerbaiser, das wirke positivierend auf die Fremdwahrnehmung, sagt das Pappschild auf dem Counter. Der heute erstmals getragene Kniestrumpf rutscht Juckreiz verursachend seine linke Wade hinab, das merkt er beim ersten Schluck auf dem Weg nach draußen und kichert statt zu fluchen – wehret den Anfängen!

Gestern

Komparativer Konkurrenzvorteil

Immer ein paar Tränen griffbereit in der Hosentasche. Immer ein, zwei Silben unter der Zunge gelagert, falls doch einer fragt. Immer einen Hustenreiz auf Abruf schließlich, vagabundieren zwischen A und B rotgeränderte Augäpfel über zerrissene Prognosen. Der Held bleibt auf der Strecke. Tief unter dem Sudhaus dann blühende Landschaften von Wabi-Sabi entdeckt und adhoc genossen. (Ich wusste nichtmal von einem Begriff für diese Wahrnehmung, bis ich unter Bandinis Bett zufällig fündig wurde.) Die unvermeidlich süßlich aufziehende Wehmut in Bockbier ersäuft, zwei Torten geboren und gleichsam bestattet: Käse-Mohn mit Butterstreuseln und Schwarzwälder-Kirsch nach Großmutters Art.

Den Fluchtreflex für die nächsten 24 h vom Strom genommen, die Klimaanlage vorsorglich auf Feierabend gedreht und die Schenkel verführerisch auf die Kühlerhaube gebreitet, Rost hin oder her. Nur das nachmitternächtlich zu Tage tretende Loch im Reifen war zwar nicht geplant gewesen, vereitelt aber atemlos jegliches Begehren jenseits des Einhorns und Pläne für zwei Sonntage. Gut, dass morgen wieder Montag und ich in Lohn und Brot, den Finger vom Abzug und Hermesbaby unter der Achsel.

EDIT: Nachtrag am ersten Wochentag.
(Hermesbaby, you did it all so well!) Vor Stolz geplatzt sitzt meine Wehmut schmunzelnd auf dem Bett. Die Faust dehnt meine linke Hosentasche mit den auf ihren Auftritt lauernden Tränen um die Wette. Münzfalle elende, bereits beim ersten Riß und doch: jede Träne wert dein Sieg über das was da nonchalant immer Treibsand tituliert. Auf deiner Seite und der davor: dein Name, hoffe ich und freu mich auf’s Lesen.

PS: Von etwaig vorbeilesenden (Chef)redakteuren und -teurinnen sei ein kurzes Lesezeichen per Mail erbeten – danke!