Gesuche

Crêpes maritimes

Das Meer um deine Hüften ist wollen, trägt Zähne wie Gürtelschnallen am Halfter. Das Meer um deine Hüften birgt keine Farbe nur geruchsintensive Dunkelheit. Das Meer ist keines der stürmischen, im Gegenteil, es hat etwas Zaghaftes in den filzigen Zahnlücken. Das Meer um deine Hüften macht mich mit einem Wellenschlag, einer Gischtzunge zu seinem einäugigem Piraten. Den Säbel zwischen den Lippen stehe ich Freitag für Freitag am Kai und leg’ mir meine Schwimmflügel an: Neon-Orange auf braunverbranntem Oberarm.

Der Sommer an deinem Meer aber ist sehnsuchtverhangen fern. Endlose Feierabende schlingen sich um jeden Fluchtpunkt, verzerren die Perspektive, perforieren das Schlaglicht. Schatten für Schatten wähne ich deine Wellen um meine Fersen, Salzkrusten werfend ob jeder meiner Poren. Zeh für Zeh opfere ich der kratzenden Dunkelheit meine 42, fürchte ob der zunehmend drängenden Masse um meine Waden, mein Gleichgewicht, meine Silhouette.

Ein, zwei Nächte wünsche ich mir zwischen die Tage. Nächte, in denen sich die Weste reinigen, das Gesicht restaurieren ließe. Nächte, in denen die Hitze wiche – wenn auch nicht ganz so doch um mindestens 3°C. Nächte zum weinen, zum Wolle in Wasser verwandeln, zum Crêpes backen und Wein entkorken. Nächte, die in einem waidwunden Morgen münden, Tatendrang inklusive.

Gestik

Verzärtelt

Ich möchte so gerne etwas Zartes schreiben (und antworte stattdessen meinem Chef). Ich möchte so gerne etwas Leidenschaftliches tun, mit Krallen in Fleisch und stöhnendem Ächzen und seufze doch nur wieder murmelnd in den genuschelten Bart am Nachbartisch. Die Lippen darüber haben einmal zu viel zurück statt vorgelächelt und irgendwann reicht’s, da schaltet sich Larmoyanz deluxe ein, oben, da wo die Drähte zusammengelötet, und geht nicht mehr aus. Also wieder keine Zweisamkeit, wieder nur ein verreckter Flirt, der nicht satt macht nur Appetit.

Zärtlichkeit, in deinem Blick wiederentdeckt, den du mir zugestandest, anfangs zögerlich, dann doch konsequent. Den ich auffing und zwischen meinen Schultern barg. Zärtlichkeit, die ich der verabschiedenden Umarmung zufügte, möglicherweise etwas zu großzügig aber in jedem Fall angemessen. Die du aufsogst wie sonnenverbrannte Haut kühlende Après-Lotion. Und genau so roch es: Kokos, ein Hauch Meersalz und zwei Wochen Strandsonne und ich fuhr nach Hause und lächelte braungebrannt unter dem Bindfadenregen hindurch.