Gedanken

Ab und an zu

Ab und zu mal die Luft anhalten. Dem Winter ein Päuschen gönnen und den Zehenspitzen Zimt. Ab und zu die Ellbogen massieren mit Avocadoöl und die Nase in den Wind halten. Ab und zu älter werden auch, ein Jahr oder zwei. Ab und zu an Tage wie diesen erinnern, als du millimetertief in Abscheu kramtest und dabei auf Ekelkrumen stiesst, die mir den Atem nahmen. Geschenkt!

Dass der Tag furchtbar war wie 2012 und weh tat und Unwuchten auslöste – geschenkt. Dass sie Schmerz und Frust im Gesicht trug, drei Meter gegen den Wind und sehr zum Leidwesen des Plastikbeutels, der mich zum Abriss erwartete, bereit meine heutige Obstauswahl in Form von zwei Roten, drei Grünen und zwei Haselnussbraunen, auf die Strasse zu streuen – Grosszügigkeit galore! Dass mir ein Witz kredenzt wurde, gegenüber den Gurken und kurz vor dem dümmlichen Toastbrot, so unverhofft wie auf den Punkt, dass sich ein Lächeln auf meine Lippen stahl und dort bis weit nach Sonnenuntergang verharrte.

Sonnenuntergang und Léo Ferré und sein Meer im Ohr. Mehr Müritz als Wanneickel und unter der linken Axel doch das Baguette. Ab und zu raus aufs Land nämlich. runter von den Strassen! An und zu die letzte Packung im Regal mitnehmen. Ab und zu doppelt so laut singen. Ab und zu anhalten. Den Füllfeder aus seinem Necessaire kramen und aufs Papier setzen für ein, zwei Worte. Ab und zu Raum machen für andere. Ab und an zu machen für ein paar Momente.

Gedanken

Rituelle Amnesie

Eigentlich wollte ich hier und jetzt meinen Rückblick auf dieses formidable 2014 wagen, so in etwa wie letztes Jahr. Darüber, wie dieses 2014 zwar mitnichten eins voller Sonntage sondern sicher mindestens 365 Arbeitstage intus hatte, gleichzeitig aber eine steile Vorlage geliefert hat für 2015, von dem die Vogue sich übrigens eine Vision traut, der ich so nicht widersprechen möchte.

Eigentlich wollte ich hier von meiner Sprache schreiben, die Wortfetzen aneinander klöppelt, schlafwandlerisch, rastlos, runenartig. Wie ich gar nicht so viel teilen kann, wie ich lebe. Wie ich am liebsten nur mehr in Bildern sprechen möchte oder in drei Sprachen gleichzeitig. Wie die Ebenen auf die schiefe Bahn geraten, Kurven schlagen um jedes Überraschungsei, das sich ihnen in den Weg stellt. Wie mein Körper seine eigene und mindestens ebenso willige Sprache gefunden hat und sie allerorten ungefragt zu Wort kommen lässt. Oder Schmerz. Bruch. Lähmung. Wie mir ein Satz mitunter ein Zimmer sein kann. Ein Loft. Eine (Frustschutz)Terasse. Ein Garten.

Eigentlich wollte ich anheben darüber, wie wenig mir neuerdings Rituale nur mehr fehlen, wie mir vor Rückblicken wie Vorhabenverkündungen graust, wie vertraut mir die Fremde und wie leidenschaftlich gern ich knüpfe: Verbindungen zu Lieben und Fernen, zu Alten und Freunden, zu Neuem und Unerkannten, wie verschnupft ich auf diese Lebensmotti und 10er Copy&Paste GlückskeksBanaListen für alle und jeden und was wir nicht noch alle tun und sein sollten, reagiere. Wo, wenn nicht hier im Nichtsdestotrotz? Eben!

Hier also die Bilder und (m)eine Topten von und auf Argentinien!