Gedanken

Immer wieder sonntags

Immer wieder sonntags bleibt zu viel übrig. Zu viel von diesem zu wenig. Und manches ganz auf der Strecke, was morgens um 5 noch für Schlaflosigkeit und Ketoazidosen sorgt, so dass wenigstens der Adventskalender überpünktlich, d.h. vor Sonnenaufgang – mit regnerischer Begleitung – geplündert, sorgt mittags trotz liebevollst gebackener Wollust an Freundlichkeit für Tränenstürme. Oder gerade deswegen. So gewappnet hat der Abend wenig Chancen mit seinem Tatort-Charme auch nur eine Zweidrittelmehrheit, qualifiziert oder nicht, zu erringen. Stattdessen werden Falten gezüchtet, die bitter-scharfen, samt wespentailliertem Kummerbund und Monogramm.

So viel auch drin sein mag in diesem Kopf, ein klarer Gedanken findet sich nicht, viele Teile, aber keine Summe, Spannung en masse aber nicht einen Deut Passion. Dafür jede Menge Sehnsucht nach dem großen Ganzen und der Ästhetik des Knies. Nach dem nächtlichen Guitanero und der schwerbrüstigen Frau am Herd, dem lila VW-Bus und der Reise in die Padjelanta, dem Lächeln auf den eigenen Lippen, das die Augen endlich mal wieder mitnimmt. Danach, dass es keine Ringelstrumpfhosen braucht um Wimpern zu locken, und Stimmlagen drei Oktaven zu senken. Sehnsucht nach Atemlosigkeit.

“Eine neue Woche ist wie ein neuer Alptraum”, flüstert er ihr alles andere als heimlich ins Ohr und nicht einer tut so als hätte er nicht gehört. Stattdessen werden die Nadeln erhitzt, die Tinte geschwärzt und die Haut Pore für Pore desinfiziert. An Rache ist nicht zu denken, und der bislang zuverlässige Fluchtweg quer durchs Innenohr bis zur Kniekehle und dann an der linken Außenwade in die Hornhaut des hinteren Innenrists zeigt ob des anhaltenden Frosts zunehmend poröse Stellen. Zeiten für Spikes, sagt die Freundin nicht zu unrecht, aber ob die auch zur inneren Anwendung zu empfehlen sind?

Gedanken

ça suffit!

Es nährt Hoffnungen, verwelkt die Sinne und lacht – und das mit ein und demselben Atemzug, ich weiß ja. Und ich mag nicht mehr, nicht mehr vor, nicht zurück, schon gar nicht bleiben. Nicht zeigen, nicht verstecken, nicht aufrecht und auch nicht gebückt. Keine Fragen, keine Antworten und wer braucht noch Worte? Sätze? Ich verliere das Gedächtnis mit der Haut, der Elan geht mit jedem zusätzlichen Schmerz einen Schritt zurück, lässt meinen Schatten allein und der hält dem Regen nicht stand, nicht dem kleinsten Niesel, schon gar nicht Novemberregen. Der Geschmack, einst Möglichkeit zum Genuss wird blass, blässer, die Papillen gieren nach süß-sauer-scharf aber der Magen schützt kosntant Übelkeit vor, verzeiht nicht eine Prise Curry.

Und immer folgt doch noch ein Tag auf diese Nächte, die ich nicht kennen möchte, auch wenn ich sie einzeln durchwache. Stopfen, alles was juckt, schmerzt, hungert oder sonstwie auffällt. Lügen, in jede Lache, jeden fragenden Blick, und heimlich Träume begraben, die gemeinsamen und die einzelnen, die misslungen und die ambitionierten. Möge Schnee drauf liegen bleiben, meterweise!

Bloß nicht mehr durchhalten, nicht einen Tag länger, keine Nacht mehr einsam, keine Sekunde mehr vergeuden, keine Hornhaut mehr am kleinen Zeh. Das Leben höchstens an der Angel, auf Distanz oder am liebsten aber vielleicht gar im Rückspiegel, und den entsorgt. Já chega!