Gegenwart

Urlaubsantrag? Stattgegeben.

There is a Lot of Sweetness in my Life | © Anne Seubert, www.wortlaute.de

Kaum wach, breitet der Alltag seine Allüren aus, drückt sich vor Urlaub, verführt den Kalender, macht sich unendlich breit. Und lang. Aktives Anstehen, nennt er das, und überholt noch in der Werbepause, links versteht sich, da wo der Kaffee duftet und der Druck die nächste Seite einzieht..

Sommerpause hin oder her, verlangt er vor dem Frühstück bereits nach Weihnachtsgeld, zelebriert Trägheitsrechte und gähnt dabei süffisant: Ein Lätzchen Langeweile, Herr Ober, bitte! und ab dafür ins Handköfferchen.

Floskel für Floskel seinen eh schon Schmerbauch verzärtelnd, will er mehr und zu Recht und mir nicht in den Sinn, wie ich aus der Nummer wieder rauskomme. Vor dem Klingeln in die Verlängerung?  Erstmal Nümmerchen ziehen und dann doch Schwarzfahren? Antrag auf Mondscheinwerfer sind jedenfalls raus, jetzt erstmal Kaffee.

Gegenwart

Aus der Stille entspringt ein Fluss

Die Türen dicht gemacht, das Buch geschlossen. Zeit, das Wasser in meinen Ohren zum Kochen zu bringen, das Du im Ich entkleiden. Nackt mir gegenüber ehrlich sein – ohne Spiegel, ohne Backgroundchor. Viel Haut, viel Moment. Dem eigenen Weg beim Bretter bohren zuschauen. Ekel auch. Und: Viel Sehnsucht. Viel Bedarf. Viele Wunder. Lust auf Nähe und Berührung, Zehren nach Gespräch und Augen. Blickleitsysteme erschaffen wollen und gleichzeitig in die Knie gehen. Auf die Knie. Augenhöhe plötzlich meiden. Veranstaltungen mit mehr als einer Person.

Ruhe. Fokus. Mahlzeiten mit mehreren Gängen und Schritte in eine gemeinsame Richtung. Anlanden. Mehr Raum. Mehr Worte übrig auch. Mehr ich als ihr. Weniger Bilder. Weniger Fragen. Mehr Käse, mehr Nüsse, mehr Stifte. Papier und Pistazien, Konsumgelüste. Schlaf. Spiegel. Geschenke. Aufmerksamkeit auf den einen oder anderen. Hände. Recherche. Konzerte. Küsse. Griffe. Blicke. Blumen. Neue Stühle. Und ein Vorhang.