Gegenwart

hebt und senkt und singt

Wilhelmhallen | © Anne Seubert

Einer steht oben und hat
einen Hut auf, einen Bart
zwischen den Fingern
eine Stimme, die sich nicht
an den Takt hält, der ihr gegeben.

Einer trägt den Blick offen für
eine Weite, die sich gemeinsam erahnen
lässt und dabei Nähe fließen lässt, zu nah,
sagst du und nimmst schon beim ersten
Refrain Reißaus, er aber bleibt offen.

Einer singt, was er dem Leben
auf den Leib schreibt, kann, was er
sieht und will im Wort stehen, dem Lieben
seines geben bis der Moment sich vor die Brust
auf die Knie und auf die Bühne
hebt und senkt und singt, was er dem Leben
nicht zu sagen wagte.

Gegenwart

In Blautönen schwimmen

Fluchtpunkt | Anne Seubert

Und über das Wasser wagt sich ein Himmel sein Lied anzustimmen, Wolke für Wolke erklingt, bis ein Ton sich findet, der den Weg zum Ufer bahnt, ohne das Blau ausser Atem zu bringen, oder auch unter die Erde, vielmehr es Boden bereiten lassen, kunstvolle Gärten anlegen, in denen Beet für Beet sich in ein Nass schmiegen, als gäbs die Erde auch in Himmelblau.

Als der Hafen schließlich seine Mauern erlässt, weiss dein Mut längst, wo er ankern möchte, hat den hölzernen Steg aufgespürt, die Stimme ins Lot gebracht und die Tonleiter eine Oktave tiefer angestimmt, sicherheitshalber, so dass alle mitsingen können ehe der Tag sich aus dem Staub macht.

Wann sagst du nicht, aber wo du ankommen möchtest, weißt du genau, hast den Wind eingeweiht und dem Wasser die Noten schon am Abend vorher übergeben mit der Bitte, großzügig Wellen mitzubringen, von den schwungvollen schweren und den zaghaft schäumenden. Schwimmen kannst du auf den Ton genau.