Gegenwart

blau in nöten

Morning in Gdansk | © Anne Seubert

herzblau zunächst
schulnotenblau dann
blitzableiterblau schließlich

heute mal blau in tüten

braumeisterblau immer
stehbluesblau nachts
tiefseetaucherblau auch

blaupause gefällig?

bärenklaublau barfuß
doityourselfblau zu hause
bügelbretterblau zwischen tür und angel

wer wenn nicht blau?

du aber angelst im liegen
zwischen uns das meer, aufgeschäumt, wie immer
an tagen wie diesen, an denen du den mund aufmachst
und alle stille küsst. küsst und weicht.

weicht und rückt, sich zurückzieht und dich an, in den schatten, was bislang farbe zeigte und jetzt oben ohne auftrumpft:
bist du ok?

gut ist alles andere und du zu weit weg aber wir halten still, was zittert und mordio schreit, lautlos wie gott sie schuf, diese bläue die du unterm herzen trägst wie andere leute die not.

ruhe in fetzen, my baby blue, don’t blush.

Gegenwart

Landgang mit Honig

Goldfisch über Bord | © Anne Seubert

Unter einem geliehenen Himmel stehst du
Schmiere
mir Blütenhonig um den verwilderten Bart.

Hinter einer eher schüchternen Mauer liegt dein verliebtes Land
im Schönheitsschlaf
träume ich immer von einer Welle aus siebeneinhalb Weltmeeren.

Um den heißen Brei drehst du deine Runden
rückwärts
verstehe sogar ich, was du meinst, wenn du meinen Namen sprichst.

Erst weist du den Weg.

Über eine Brücke schlägst du deine Fragen
in die Fluchten
die der Fluss schwer trägt an Antworten, die mitschwimmen.

Wenn einer aufwacht, weiss die Zeit mehr als die Nacht
zwischen zwei Augenblicken
liegt dein Leib linksbündig lose ins Laken geschmiegt.

Was kostet die Welt, fragst du zwischen zwei Atemzügen –

Dann frägst du das Ziel
und das Ziel stellt dir die Weichen ins Herz
die dich tragen, auch wenn du über Bord gehst,
auch wenn das Land nicht deinen Namen spricht,
auch wenn der Weg die Brücke meidet und
den Himmel außen vor lässt. Landgang!