Gegenwart

Von einem der auszog, sich fallen zu lassen

Cafe Riter, Wien | ©  Ånne Seubert

Von einem, der Wasser wusch und mir den Kopf. Einem, dem die Stille Spalier und das Burgtheater beistand. Von einem, der den Rundhals aus und das Brot aufschnitt, in dicken Scheiben, zu nähren wen immer auch der Hunger heimsuchte. Von einem, der wach blieb, als die Nacht zu Besuch kam, und sitzen, als die Stille sich erhob. Von einem, der leise blieb, als es laut wurde.

Von ihm möchte ich erzählen.

Von dem, der Steine in den Weg legte, einen nach dem anderen, bis die Brücke zum Horizont begehbar. Er, der die Türen offen baute, eine Klinke in jeder Hand. Von ihm, der das Zittern zärtlich stimmte und der Frage Mut machte, auch noch die nächste Straße zu überqueren, ihr einen Zebrastreifen unters Revers heftend. Von dem einen, der lächelte, als der Sturm aufzog und der die Böen geradezu fürsorglich in Liedzeilen goß.

Ihn möchte ich staunen machen und euch  gewahr.

Ihn, dem die Welt zu klein wurde und das Kleine unerreichbar groß. Er, der dem Winter eine Mütze kaufte und die Augen schloß als die Schönheit anklopfte, weil er ihrer nur dann gewahr werden und ihr die Verstecke weit unter seine Haut aufschließen konnte. Von diesem einen, der die Mähne der Löwin zu seinem Garten machte, in die er seine Finger bergen konnte, wann immer sie ihm klamm.

Seine Telefonnummer möchte ich auswendig können.

Gegenwart

Aufwachen und dem Tag schöne Augen machen

Aufwachen | © Photo via Good Free Photos

… und sich mit geschlossenen Augen noch in den Tag tasten, spüren was mich erwartet, spüren auch, was ich aus der Nacht mitgebracht habe. Erstmal leise Töne anschlagen beim Formulieren der Tagesroute: Wohin soll es gehen? Wen möchte ich mitnehmen? Hat der Tag seine Pläne schon preisgegeben?

Das Innenohrwetter abhören, die Gemütslage besprechen, erstmal nur mit mir, und das Nervenkostümchen aufbürsten. Musik für die ersten Stunden raussuchen, Feuer machen. Den Augen einen ersten Blick raussuchen, behutsam scharf stellen und der Welt Konturen zugestehend zunicken.

Auch einen Kaffee? Lieber Tee?

Dem Tag in die Puschen helfen und mir aus den Träumen. Hängt da nicht eine Sonne hinter den Wolken? Wärmt das Blatt da am Baum vor dem Fenster sich nicht gerade auf für den Wind, der sich für einen Besuch am frühen Nachmittag angekündigt hatte?

Schließlich die Decke zurückschlagen und sich eingestehen: Mit die schönste Zeit des Tages, n’est-ce pas?