Gegenwart

ich flüchtling

wen juckt es?
wen träumt es (sich nackt & in homöopathischen dosen)?
wer denkt sich sowas aus?

du suchst es auf selbstgetretenen pfaden, auf abwegen und jenseits, bis
ihr euch, wir uns wiederbegegnen, einander gegenüber treten (?) & den kontext zur nebensache degradieren.

metaphern in gedanken?spreu vom weizen trennen! in worte packen schliesslich, kostend was bleibt: den kopf in der luft, die füße bloß auf dieser nimmersatten erde , die über-ichs erhaben wie je, es nonchalant auf der zunge, und eins wie es im buche steht: mit dem rücken zur wand, solitär und dich zugleich im gebet.

ein flüchtling ganz offenbar, ein lemming möglicherweise,  einer, der den weg im gepäck & das ziel im präteritum geparkt
seinen namen in fremden akzenten buchstabiert,
die weite freundlich, die nähe unerlässlich & die distanz zum weggefährten auserkoren, halleluja,
ID bleibt was für zöllner, ich bleibe bei mir.

Gegenwart

Schattenwahl

Shadow on the wall | © Anne Seubert
“Like a shadow on the wall”
Mike Oldfield

Entworte mich!
Entblättere meine Zeilen, berente meine Sprache:
Mach mich spurenlos, entledige mich aller Zeichen,
nimm mir die Konjunktionen, den Punkt, die Klammer und auch
den Stift aus der Hand.

Beraube mich meiner Silben,
der stummen Konsonanten und der störrischen Umlaute,
der Stille zwischen den Worten auch;
bis nichts mehr ich sagt und nichts mehr Luft holt als ob.

Lass mir den Atem gleichwohl
als leeres Blatt einer Geschichte, die noch nicht gelesen, nicht einmal gedacht,
als Stimme, wo alle Stimmen stumm,
als unsichtbarer Spielball zwischen Lippenpaaren,
als Gut aller Güte to be shared und als
Hauch so zart, dass kaum eine Wimper erzittert und doch jede Zelle den Drang verspürt mit ihrem Schatten zu tanzen.