Gegenwart

Mise en place II

Nein, ich schreibe keine Gedichte,
ich spiele mit Glas: Lautperlen
fädle ich auf Zeilen, murmelnd
war an werden zu ketten.

Nein, ich spiele nicht mit Worten,
letternd wende ich ihre Schatten
der Sonne zu und setze das Licht
für ein Stündchen neben dich.

Nein, ich lächele nicht durchs Schlüsselloch,
mit Händen und Füßen öffne ich Türen,
der Dämmerung Einhalt 
gebietend
mit beiden Augen und einem Auftrag:

Flöße Ankunft uns ins Dekolleté,
Nährstoffe um Kopf und Kragen, und sei
dem Morgen das Du auf der zweiten Silbe
zwischen die dichten Wimpern geknöpft.

Gegenwart

die stufen bis zum stolpern

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wenn du kommst, flüchte ich. nacht für nacht, springer auf d4. flucht in den traum, den du ausspuckst, wie einen wein, der nur zum kosten. mich aber trinke, den kelch mit beiden händen zu den lippen führend. den finger auf der landkarte, die ich ausspiele wie meinen letzten trumpf.

gelb ist trumpf, schon immer gewesen, als die strassenlaterne noch auf gas und die nasszelle gefliest bis in die letzte intime fuge. es bleibt immer einer trocken, heute der silvaner, den du ad hoc verschmähst. die treppe knarrt störrisch, auch in der 23. etage noch, ich zähle die stufen bis zum stolpern und bleibe. stehen auf einem bein allein.

absatz, diktierst du und drückst die stoptaste vor dem nächsten kapitel, das keinen zeilensprung, aber einen wasserfallkragen abbekommt. mehr ist nicht drin, das papier dünn und deine schokoladenseiten bekomme ich, keine kompromisse. das grosse d zickt, ich schüttel eine zweite nacht aus dem ärmel und lass dich ausnahmsweise schwarzweiß fahren!