Gelage

Dem Frühling auf die Mailbox

Mandelblüte | © Anne Seubert

Dem Frühling zum  dritten Mal auf die Mailbox gesprochen, aber er ruft nicht zurück. Mit dem Feldstecher in der Handtasche klar Schiff gemacht, aber weiterhin kein Land in Sicht, nicht einmal eine Insel.

Dem Wetter ins Gewissen geredet, ja auch über Nacht wäre ok, aber es ließ keine Gardinenpredigt gelten, stellte auf Durchzug und löschte sogar das Licht.

Dem Frühling also nochmal auf Band gesprochen und fast um Kopf und Kragen, aber da nahm er plötzlich ab und uns auf, wie wir da so wie zum allerersten Mal das Blaue vom Himmel erzählten, tief Luft holten und er mir trotz Heuschnupfen das Blühen buchstabierte.

Ich schrieb heimlich mit, wer weiss, ob er nocheinmal abnimmt und wenn ja, mit welcher Stimme. Und dann regnet es plötzlich Rosé. Ob ich schwimmen könne, lächelt er durchs Telefon, eigentlich um mich zu trösten und dann steht auch die Gänsehaut plötzlich im Drehbuch und du blühst.

 

Gelage

auf ein bier auf gleis neun

swiss

dem zweifel das amt genommen, den hut, den platz im panel. der wut das fenster geöffnet, den kragen, das herz. der angst die bahn frei gemacht, die kehle, einen platz auf der ersatzbank.

den übermut in den jungbrunnen getunkt, der guten laune einen moscow mule gemixt und die besten jahre aus dem keller geholt. der zeit ein schnippchen geschlagen, mit der götterdämmerung geflirtet und dem glück avancen gemacht.

einen zug mit verspätung genommen um vor dem sonnenuntergang anzukommen, das letzte eis aus der diele gekratzt und spontan mit dem pfarrer geteilt. die ausflüchte kopfüber in eierlikör ertränkt. dazu das passende vinyl in den schatten gestellt, die vergangenheit nur punktuell zur rede, stattdessen die liebe mit beiden händen zur brust genommen und auf ein bier auf gleis 9 eingeladen.