Gelage

Nur kurz Luft holen

Luft holen | © Anne Seubert

Ich bin nur kurz Luft holen,
schreibst du in den Brief an die Vergangenheit,
die uns beiden gehört.

Gezahlt hast du, aber ich bin gegangen,
im Vertrag standen wir beide –
bis das Datum nicht mehr lesbar und unsere Unterschriften verblasst.

Blaue Tinte, darauf schworst du auch beim Stechen,
während mir die Farbe egal, aber die Form heilig, und Luft?
Luft war genug für alle da.

Bis sich die Zeilen biegen, log ich, und nannte es Wellen.
Dann stand die Geschichte plötzlich zwischen uns und
Du schlugst einfach (?) ein neues Kapitel auf und kamst zurück an Land.

Gelage

Geschätzt von drei Monarchen

Dresscode | © Anne Seubert

King of Prenzlauerberg, City

Du bist mir Eisberg und Spitzenkandidat,
Du stellst mir deine Helden vor und sprichst von Mut, der mich klein macht,
Du vernascht meine Zärtlichkeiten zum Frühstück,
Du schweigst wenn der Kellner was von Weinbegleitung säuselt während  ich die Hummeln in meinem Hintern zu zähmen oder doch wenigsten zu zählen suche.

“Time to switch from Rose to a Syrah,” 

Geniess mich nicht ohne Weinbegleitung, möchte ich der Speisekarte soufflieren, die er dir reicht, ich bin kein all you can eat, ich bin auch nicht à la carte zu haben, aber du trinkst Bier heute, weil du weisst wie gern ich Lippen küsse, die das Herbe noch in sich tragen.

“Nachtisch?”

Eher schon Atlaskorrektur, verrät mein Blick und sucht das Weite, das den Himmel neidisch und das Meer alt aussehen macht. Wie weit möchtest du gehen, will deine Hand wissen, als sie mir den leichten Schal um die bloßen Schultern legt, es ist kühl geworden, und du frierst doch so leicht.

“Nein, ich geh heute nicht mehr tanzen!”

Ich geh heute überhaupt nicht mehr zu Fuß, nicht über Los, nicht um die Ecke und schon gar nicht auf die Fläche, die dem Tanz gewidmet ist, den ich dir ohne mit der Wimper zu zucken geschenkt hätte, aber heute ist Schicht im Schacht, die Maschine hat den Menschen überholt, und das ohne aus der Kurve zu fallen oder auch nur den Boden mit dem Knie zu berühren. Dieses Knie, das sonst oft den Ton angibt und gerne mal Kante zeigt, nackt wie Gott es schuf.