Gelage

die privatsphäre meiner gefühle

die wahrheit | Anne Seubert

die privatsphäre meiner gefühle geht über blossen datenschutz hinaus
reiht sich in kein glied keiner kette
steht nicht schlange noch spalier
sondern setzt zeichen. grenzen. pfeiler
die eine brücke bilden und das glück aufwecken
können. wenn die sonne im kasten.

die schlafbrille meiner zweifel hält dicht.
löscht das licht der aufklärung
verheimlicht fakten, schlägt schatten und falten
in die flucht als gäbe es den weg umsonst
wenn man die mehrwertsteuer kulant kalkulierte.
pustekuchen. mit sahnebaiser.

die liebesbriefe meiner überstunden und schmerzen ignoriere ich eiskalt.
wo kämen wir denn da hin? könnte ja jeder kommen. ihr nicht. euch hebel ich aus. euch setz ich auf den pott, altersteilzeit hin oder her, hebe- und fliehkräfte habe ich noch.
die lesebrille meiner überraschung aber lass ich nochmal gelten, ein paar details haben noch niemandem geschadet. nur das herz wird geschwärzt. und hej,  keine augen, keine zeugen!

Gelage

Der Apfel frisch vom Baum

Ernte | © Anne Seubert

Morgens meine schlechten Seiten aufblättern, mittags zwei, drei druckfrische Kapitel aufdecken, nur um abends den Titel im Kasten zu haben?

Abends das Buch unters Kopfkissen legen, nachts den Klappentext auswendig lernen, nur um morgens die Frühstücksflocken in alphabetische Reihenfolge ordnen zu können?

Den Traum auf nach Mitternacht schieben, die REM-Phase in den Aufwachraum und den Wecker in den dritten Akt räumen, nur um halbwegs im Bilde zu sein?

Lasst euch nicht bange machen, am schönsten ist das Leben immer noch ausgeschlafen, die Geschichte selbst erlebt, der Apfel frisch vom Baum und das Ende unerreichbar!