Gelage

Kingfishering Nights

Wo Regen nicht Bindfäden, sondern blickdicht umarmende Merinowolle webt.  Wo Wasser in Flaschen kommt, randvoll, und der Tisch von Miniaturameisen und fallsüchtigen Kokosnussbabies heimgesucht wird, da beliebtest du deine Palmen an Land zu werfen, Allerwertester, dem verführerischsten Sonnenuntergang Schatten zu spenden und seinen unzähligen Bildnissen eine Ah-und-Oh-trächtige Fraktur anhand zu geben.

Auf Banenblättern servierst du ein Lächeln, das den Hunger gekonnt leugnet und erst auf den zweiten Blick die Dollarzeichen offenbart. Mama India, du ewig trächtiges Stück Erde, was schwingst du weiterhin so verführerisch deine Curryhüften, deine polio-geprüften und dir längst lästig gewordenen Kinder am Rockzipfel durch den monsuntriefenden Schlamm schleifend?

Bis einer geht

Einer versucht es immer wieder: Der Sonne gen Westen zu folgen, an Europas Schulter anzulanden, auf einen Martini oder zwei. Die meisten bleiben nicht lange, zu sehr hast du sie an deine reisgefüllten Finger an ihren Lippen gewöhnt.  Hast mit warmem Öl den dreckigen Alltag geschmeidig geschmiert und die Scheiben getönt. Schämst dich ein kleines bißchen wenigstens?

Hure du, laszivst verschlampte, die du deinen Sari gekonnt nachlässig lüpfst, auf dass wir deiner Waden gewahr werden! Einst hast du dir drei deiner Götter unters linke Knie tätowiert:  In schillernden Farben verkünden sie den Nachtisch bereits vor dem Entrée, zumindest dem, der deinen Namen errät.

Du lässt deine Tore bewachen, jedes einzelne drei Mann stark mindestens, auch wenn du es auf Jahre verschlossen und nicht die geringste Absicht hegst, es in absehbarer Zeit wieder zu öffnen. Du prüfst genau, wen du zu dir kommen lässt – und wen sterben.

Meterdicke Luft

Und doch: Unsere Körper atmen die tränennasse Luft zwei Züge auf einmal nehmend, betäuben unsere Seelen löffelweise mit deinen Früchten und folgen deinen Mannen zu ihrem täglichen Holy shit auf deine Strände, abends zum Sonnenuntergang oder morgens vor dem ersten Schattenwurf.  Denn morgens bist du es, Nimmerschlafende, die die Sonne und Nachbars Hahn mit betörendem Gesang zu wecken wissen. Der Hahn, dessen Schrei durch den Dschungel schallend sonntags die nahegelegene Moschee zum Musizieren inspiriert, als hätte Elvis seinerzeit dorten sein Kofferradio stehen gelassen, auf Lokalsender genordet.

Die Zeremonienmeisterin in dir serviert uns sodann gebutterte Gewürze satt zum Frühstück und blassen Kaffee mit einem Lächeln, das mühelos von deinem öligen Toupet ablenkt. Wir sehen uns erst am Abend wieder, wenn du deine Götter Gassi führst, drei Räucherstäbchen und ein Om um den siebenzüngigen Hals und an jedem Altar ihr Myrrhe hauchendes Bein hebend.

Gelage

Ich möchte deine Fußnote sein

Ich möchte deine Zärtlichkeit in Worte fassen, die tragen. Nicht nur dich, auch deine Schüchternheit und deine Hände. Deine Faust, die vielen Fächer und die Luft, die du zum Atmen herbeibringst. Deinen hüstelnden Schenkel, der mich schauern macht, deinen Rücken, den Ausblick über deine Schulter.

Der Sturm blickt auf, lächelt leise, besänftigt.

Ich möchte deiner Sanftheit eine Bühne bereiten, die ihr Publikum verführt. Es sind so oft die Sanften, die ihre Stimme unter Wasser an einer Leine führen, die mehr preisgibt, als sie hält. Die den Wellen ihre Kraft und der Sehnsucht ihre Würde zuspricht, die sich nur denen erschließt, die ihren Atem halten können und der Muschel lauschen.

Smoke, sagst du und ich weiss: Strand in Sicht.

Ich möchte deiner Ungeduld eine Gegenstromanlage bauen, die ihr die Schultern breit und die Beine lang macht. Ich möchte dich um den Zeigefinger wickeln und in den Wind halten. Sturm aus Nordost? Gerade richtig, um Moos anzubauen, von dem dichten dicken, das uns durch den Winter bringt. Halt dich fest, ich köpfe den Nagel und steche in See.