Gelage

Mundraub am Montenegro

Er weiss, dass du weisst, was ich weiss, und jenseits der S-Bahnhaltestelle tut sich mit einem Blick ein Pizzaofen auf, schwer und heiss und voll von dem Duft warmen Hefeteigs, meine Gedanken bis übers Kinn mit knusprigen Küstenlandschaften flutend und ich lächele beim Gedanken an dein kaffeelüsternes Gesicht morgens um 7 wenn der Wecker noch nicht klingelt und die Sonne noch submissiv hinter den Wolkenbergen lungert.

Deine Augäpfel – Boskop – mit Walnussschnaps auf 43 % poliert – in tief luftholender, anhaftender Schwärze, in der meine Neugier sich Blick für Blick verliert, neue Küsten zu erobern, die hinter deiner Wimpern Waden auf die nächste Träne lauern. Wind kann helfen, muss aber nicht, oft ist Wärme von Nöten, von dieser einen Wochen in Tage bettenden, wollüstigen Wärme, die selbst deine Wimpern weiche Knie kriegen lässt, blinzeln gar.

In der Kryptodepression des Skutarisees lägen die fruchtbarsten Gebiete, weiss W und er verwöhnt uns mit zartbesaiteten Flüchtlingsfeigen schon am drittletzten Tag – ich zähle ungern von vorn – und tut von den wilden Beeren auf, als wäre es Währung auch und Lösegeld, als währen wir die, die flüchten. Und doch: Meiner beide Hände führen den Saft anschliessend bis über die Grenze.

Gelage

Serve and Volley

Rakete, halbwach

Ich möchte ein Buch sein, ein Film, ein Titel nur, Aufschlag von rechts und die Faust in der Tasche. Die Faust, die nicht aufgeht, den Finger nicht freigibt, der sich um das lüstern säuselnde Kapitelbändchen geschlungen hat. Die Lust, die Wortmurmeln in Schlangen legt, immer sieben auf eine Seite. Schlangen, die meine Wahrheit hänseln und mich dann mit großen Telleraugen ansehen. Augen, die nach Lakritz schmecken und von Japan träumen.

In Japan essen sie Kekse, die wie Spargel aussehen. Ich aber möchte ein Wort sein, das dir Film ist. Ein Film, der mich ausspricht und dich an; Ohne Vorspann, ohne Kommata und ohne zu krümeln. Krümel, die die Bitterkeit deiner Haarwurzeln im Schlaf erbeuten ohne das Laken zu berühren. Strähnen versilbernd. Zum Abschied. Zum Abspann. Schwarz-Weiß.

Ich möchte ein Alpenpanorama sein. Sehnsuchtsort, Mikroklima und Edelweiss inklusive und schneeumsäumte Spitzen. Unnahbar, aber Salz auf der Haut, blumig im Abgang. Und dann eine Talfahrt im T-Shirt, das Gipfelkreuz im Rückspiegel, den Sommer ausgebreitet vor mir, mir die Freundschaft anbietend. Schokoladensorbet im Becher lächelst du entwaffnend und spielst den Ball zurück ins erste Kapitel. Nochmal den Vorspann bitte.