Gelage

Ein Fuss an Land

4 Nächte und 3 Tage da, wo Maradona das Laufen lernte. Die Taschen voller Peseten wirkt der Weg quer durch die Stadt doppelt so lange, die Wechselstube lockt im 10. oder 14. Stockwerk, argusäugig bewacht von der hübschen und nicht minder pinkbelippten Asiatin und dem schwarzweiss gefleckten Labrador, die Koordinaten führen nicht nur an einer Demonstration, sondern auch an 3 Eisdielen vorbei – zwei davon Ketten (Dulce de Leche-Freddo und Persicco), und keine so gut, wie die namensstiftende mindestens 90jährige weisshaarig lispelnde Nonna Bianca gebeugt hinter der Kasse, die ihr Eis standesgemäß kiloweise verkauft. Wir erinnern den Schnaps in Litern in Polen, mit oder ohne Tabasco. Im Angebot hier und heute ein Viertelkilo zu 35 Pesos, Lächeln ist im Trinkgeld nicht einberechnet, sondern kostet. Extra.

Cambio ist hier was das Gras im Görli, allgegenwärtig der Wechsel von Dollarscheinen in potenziell gefälschte Peseten – wir lächeln entschuldigend, unser Deal mit den Ganoven auf Etage 10 steht; als sich die stählerne Aufzugstür öffnet sind James Bond und Kollegen nicht fern, einer kommt uns eiligen Schrittes aus Tür “F” entgegen, der Gang ist schmal, er lächelt höchstens innerlich, wir sind froh um die Asiatin, die weiss, dass hinter “G” zwei Porteños und ein Flatscreen warten, das gezeigte aktuelle Fussballspiel zweier Kiez-Clubs übertönt nicht nur unser Gestammel sondern sichert unseren Deal auch vor jeder Abhöranlage. Geimpft mit dem Tageskurs lassen wir uns auch von der stolpernden Geldzählmaschine nicht aus dem Takt bringen.

Filet mignon ist Trumpf – das Codewort lautet “bife de lomo”, dich gefolgt von “bife de chorizo”, das mein Hirn fälschlicherweise als eine Mischung aus portugiesischer Knoblauchwurst in Schnitzelform versteht, aber tatsächlich als Rumpsteak serviert wird – wir essen ersteres dort, wo dich die Taxifahrer der Stadt hin ausführen, nur Bargeld akzeptiert wird und das Fleisch seine blutige Laszivität als Solitär auf dem Teller ausspielt nur von einem Roten untermalt, der selbst meine Tränen Tango tanzen lässt, heimlich. Der Vorspeisensalat reichte für zwei, ich will, dass du weisst, dass das für mein Leben gilt.

Gelage

Mundraub am Montenegro

Er weiss, dass du weisst, was ich weiss, und jenseits der S-Bahnhaltestelle tut sich mit einem Blick ein Pizzaofen auf, schwer und heiss und voll von dem Duft warmen Hefeteigs, meine Gedanken bis übers Kinn mit knusprigen Küstenlandschaften flutend und ich lächele beim Gedanken an dein kaffeelüsternes Gesicht morgens um 7 wenn der Wecker noch nicht klingelt und die Sonne noch submissiv hinter den Wolkenbergen lungert.

Deine Augäpfel – Boskop – mit Walnussschnaps auf 43 % poliert – in tief luftholender, anhaftender Schwärze, in der meine Neugier sich Blick für Blick verliert, neue Küsten zu erobern, die hinter deiner Wimpern Waden auf die nächste Träne lauern. Wind kann helfen, muss aber nicht, oft ist Wärme von Nöten, von dieser einen Wochen in Tage bettenden, wollüstigen Wärme, die selbst deine Wimpern weiche Knie kriegen lässt, blinzeln gar.

In der Kryptodepression des Skutarisees lägen die fruchtbarsten Gebiete, weiss W und er verwöhnt uns mit zartbesaiteten Flüchtlingsfeigen schon am drittletzten Tag – ich zähle ungern von vorn – und tut von den wilden Beeren auf, als wäre es Währung auch und Lösegeld, als währen wir die, die flüchten. Und doch: Meiner beide Hände führen den Saft anschliessend bis über die Grenze.